6 Tipps für den konstruktiven Umgang mit Selbstmitleid

Wer unter einer chronischen Krankheit leidet, wird früher oder später einen gesunden Umgang mit Selbstmitleid lernen müssen.

Denn ein gewisses Maß an Selbstmitleid ist wichtig für die Akzeptanz der Krankheit – aber zu viel davon kann aufs Gemüt schlagen und im schlimmsten Fall bis zu einer Depression führen.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, habe ich mir Gedanken zum konstruktiven Umgang mit Selbstmitleid gemacht.

 

In diesen sechs Tipps versuche ich, einen kleinen Leitfaden durch das Labyrinth der dunklen Gedanken zu zeichnen, damit du da sicher wieder rauskommst.

Denn auch wenn das Loch im Boden dich mal wieder verschlingt, muss du nicht ewig darin herumhängen. Das packst du!

 

Erkenne an, dass du dich gerade selbst bemitleidest

 

Nur wenn du weißt, dass du dich gerade in Selbstmitleid suhlst, kannst du anfangen, die Sache mit etwas Abstand zu betrachten.

Natürlich kann es erstmal eine Weile dauern, bis zu merkst, dass du gerade zu übertrieben negativen Gedanken und Traurigkeit neigst – und das ist okay.

Achte aber auf dein Umfeld und tue Ängste von Familie und Freunde um deinen Gemütszustand nicht nur ab.

Du kannst davon ausgehen, dass diese Menschen dich lieben, und dass ihre Sorgen um dich nicht begründet sein müssen – aber vielleicht doch ein Hinweis darauf sein können, dass du dich gerade extrem doll hängen lässt.

 

Sprich mit jemanden über deinen Umgang mit Selbstmitleid

 

Manchmal kann es helfen, mit jemandem aus dem engsten Kreis darüber zu sprechen, wie es dir geht.

Du kannst die Person auch direkt darauf ansprechen, ob sie findet dass du dich selbst bemitleidest, wenn du das möchtest – ich persönlich finde das ja immer ganz erhellend.

Denn selbst merkt man ja doch nicht immer, wenn man mal wieder zu lange im negativen Gedankenkarussel gesessen hat.

Fühle dich nicht angegriffen, wenn die Person Bedenken äußert. Oder versuch zumindest, mit einem kühlen Kopf zu reflektieren, wenn dir gesagt wird, dass du gerade sehr zu trüben Gedanken neigst.

Gehe davon aus, dass die Person dir helfen möchte – und nicht dich verletzen will.

 

Lebe dein Selbstmitleid richtig schön aus

 

Auch das gehört zum konstruktiven Umgang mit Selbstmitleid: Sich so richtig schön drin zu suhlen. Wenn du schon erkannt hast, dass du grad in einer dicken grauen Wolke steckst, dann kannst du das ganze zeitlic abgrenzen.

Sprich: Du lebst die Situation eine Weile lang voll aus – und betrachtest sie danach als beendet.

Ich finde das besser als immer ein bisschen latent verstimmt zu sein. Wenn schon denn schon, oder?

Ich ziehe mir in einer solchen Situation am liebsten einen schönen schnulzigen Film rein, am besten einen, in dem es um Personen mit chronischen Krankheiten geht.

Hier meine Top 3 Filme zum selbst bemitleiden und heulen:

  1. Das Schicksal ist ein mieser Verräter
  2. Now is good
  3. Ein ganzes halbes Jahr

Also, hol die Taschentücher raus und lass laufen! 😉

 

Schreibe deine Gedanken auf

 

Es ist eine gute Idee, deine negativen Gedanken aufzuschreiben und so zu visualisieren.

Sei es in einem Tagebuch, am Laptop oder auf einem Blatt Papier… Mach deinen Gedanken Luft!

Nur du allein kannst lesen, was dort steht, also verstecke deine Sorgen und Ängste nicht vor dir selbst.

Schreibe die Fragen auf, die dir durch den Kopf gehen. Vielleicht findest du ja sogar die eine oder andere Antwort, wenn du drüber nachdenkst?

Es kann gut tun, das Aufgeschriebene danach zu verbrennen oder zu zerreißen und wegzuwerfen. Symbolisch kannst du so deine negativen Gedanken in die Tonne hauen – ein sehr befreiendes Gefühl!

Wenn du möchtest, kannst du natürlich auch alles aufbewahren und es dir noch mal durchlesen, wenn es dir wieder besser geht. Dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus, und du kannst objektiver betrachten, was der Auslöser und Grund für deine depressive Verstimmung war.

 

Setz deinem Selbstmitleid eine Deadline

 

Wenn du einen gesunden Umgang mit Selbstmitleid lernen willst, ist es wichtig, dir einen Zeitpunkt zu setzen, an dem du wieder damit aufhörst. An dem du aufstehst und ein neues Kapitel aufschlägst.

Diese zeitliche Abgrenzung kann dir dabei helfen, die depressive Verstimmung als das zu betrachten, was sie ist: Eine Phase. Kein genereller Zustand.

Wie wäre es, wenn du dir eine Woche (oder wie lange du halt brauchst) Zeit gibst, dich einzuigeln und traurig zu sein, und danach etwas schönes einplanst, um wieder aus dem Loch rauszukommen?

Das kann ein Besuch im Kino, ein tolles Essen im Restaurant oder ein neues schönes Kleidungsstück sein, dass du dir gönnst.

Am besten zusammen mit einer Person, die du magst – so könnt ihr zusammen das Ende der Trauer „feiern“.

 

Werde nicht wieder rückfällig

 

Natürlich ist es schwer, nicht dauerhaft mit einer fetten depressiven Verstimmung rumzurennen, wenn man eine chronische Krankheit hat.

Glaub mir, ich verstehe sehr gut, wie beschissen es einem gehen kann – auch wenn ich natürlich noch Glück mit meiner milden Verlaufsform habe, keine Frage.

Sogar die hat nämlich schon gereicht, um mich fast ein Jahr lang in einen Trauerkloß zu verwandeln!

“Warum ich? Das Leben ist unfair, mein Körper zerstört sich selbst, alle meine Freunde werden mich verlassen…”

Das war so ziemlich der Inhalt des Kopfkinos, das bei mir abging. Und zwar Jeden. Einzelnen. Tag.

Bis ich mich endlich zusammen riss und wieder anfing zu Leben, anstatt immer nur auf die Verschlechterung des Lebens zu warten. Das kann nämlich ganz schön anstrengend werden…

Wichtig ist, nicht wieder langfristig rückfällig zu werden, sobald man den Dreh beim Umgang mit dem Selbstmitleid ein wenig raus hat.

Das heißt: Sobald man es raus aus dem Loch geschafft hat, bitte alles gute aufsaugen was geht!

Die ersten Sonnenstrahlen, das leckere Eis am Wochenende, den Bummel über den Flohmarkt: Alles, was dich glücklich macht, kann dir als Anker dienen, nicht wieder in Grübelei und Selbstmitleid zu versinken.

Und wenn die dunklen Wolken wieder am Horizont aufziehen?

 

Dann setz ihnen deine Glücksmomente entgegen!

 

Ich hoffe dass einige dieser Tipps dir helfen werden, einen ausgeglichenen Umgang mit Selbstmitleid zu pflegen.

Und glaub mir, ich selbst arbeite ständig an mir und an neuen Taktiken, um nicht doch wieder zum Trauerkloß zu werden…

Aber was habe ich, was hast du zu verlieren? Wenn wir einfach ausprobieren, wie sich eine solche positive Lebenseinstellung anfühlt, und was sie mit uns macht?

Das Ergebnis kann überraschend sein – und unglaublich befreiend.

Ich hoffe, dass es dir bald besser geht und drücke die Daumen!!

***

Was tust du, wenn dich das Selbstmitleid übermannt? Hast du Tipps für den Umgang mit Selbstmitleid, und würdest du zugeben, dass du dich auch manchmal bemitleidest? Ich bin gespannt deinen Kommentar zu lesen!

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