Wie mich die Multiple Sklerose Sport zu lieben lehrte

Ich gestehe: Ich blicke auf 25 Jahre als Vollzeitfaulpelz zurück.

Während die Mädchen in meiner Klasse Volleyball spielten (und das auch noch mochten), Körbe warfen und Tanzunterricht nahmen, saß ich lieber mit Freunden in der Sonne im Park, trank Erdbeersekt (jaja, die Jugend) und bewegte mich dabei eher so wenig wie möglich.

Ich versuchte einige Sportarten – doch bei keiner blieb ich am Ball.

Judo war zu anstrengend, Fechten zu sehr Leistungsorientiert, zum Laufen konnte ich mich nicht wirklich oft motivieren… also blieb es dabei.

 

Dass ich durch die Multiple Sklerose Sport zu treiben anfangen würde, hätte ich damals nicht geglaubt.

Zumal ich zu der Zeit ja auch noch nichts von meinem, ähem, „Glück“ wusste. Ich lebte so in den Tag, und Sport spielte dabei einfach keine Rolle.

Das alles änderte sich vor einigen Jahren, als ich die Diagnose MS bekam. Natürlich nicht sofort – es war ein langsamer Prozess.

Ein Prozess, der immer noch anhält, und der nicht immer leicht ist… Gerade deswegen liegt mir auch so viel an diesem Artikel, denn auch ich hatte und habe immer wieder mit dem Biest zu kämpfen. Und mit meinem Schweinehund.

Blog über MS

 

Mit Multiple Sklerose Sport treiben – wie kommt man auf die Idee?

Der Moment, in dem ich beschloss mit MS Sport zu treiben, ist mir noch klar im Gedächtnis: Januar 2015, ich war mit meinem Freund auf Borneo.

Das einzige, was ich schon immer gerne gemacht habe, war wandern, und der Mount Kinabalu, ein Berg mit einer stolzen Höhe von 4095m reizte mich.

Ich hatte mich im Vorfeld über die Besteigung informiert, ich hatte meine Bergstiefel von Berlin bis nach Malaysia geschleppt, um diesen Berg zu besteigen…

Und dann stand ich an seinem Fuß. Mir kamen die fittesten Menschen entgegen, völlig am Ende ihrer Kräfte… und da wusste ich, dass ich es nicht schaffen würde.

Der Berg war zu hoch, ich war zu untrainiert. Ich hatte Angst, mein Körper könnte nicht stark genug sein. Ich hatte Angst, mich zu verletzen.

Ich beschloss, den Berg nicht zu besteigen – und ich beschloss noch etwas anderes:

Blog Multiple Sklerose

 

Dass ich trotz der Diagnose Multiple Sklerose Sport treiben würde.

Ich würde fit werden, ich würde stark werden. Ich würde trainieren, ich würde meinen Körper so gesund wie eben möglich machen.

Immerhin bin ich ja gerade mal 27 Jahre alt, und ich kann mich über den bisher sehr milden Verlauf meiner MS glücklich schätzen.

Aber zeigte ich meinem Körper denn, wie sehr ich ihn und seine Gesundheit wertschätzte? Nein, nicht wirklich.

Ich hatte ihn mit ständigen Diäten vielleicht schlank gemacht – aber er war nicht stark. Nicht so stark, wie ich wusste, dass er sein könnte.

 

Ich begann also, langsam Sport in meinen Alltag zu integrieren.

Ich rede hier nicht von viel Sport, wohl gemerkt – ich startete mit einem Mal Sport die Woche, einer Art HIIT Training, kombiniert mit leichtem Boxen. Und ich merkte:

Mein Körper war ja gar nicht so schlaff, wie ich dachte!

Nach einem Jahr mit eher unregelmäßigem Training war der Bann dann endlich gebrochen, und ich hatte Blut geleckt. Ich versuchte mich mit sämtlichen Sportarten (Bikram Yoga, Stepaerobic, Klettern, Stand Up Paddling…) und spürte, wie mein Körper Woche um Woche mehr Ausdauer und mehr Kraft bekam.

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Mit Multiple Sklerose Sport treiben – es geht nicht alles, aber viel!

Natürlich weiß ich, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass meine MS mich ohne Probleme Sport treiben lässt. Und ich weiß, dass es viele Menschen mit MS gibt, die zu keinen großen Schritten (im wahrsten Sinne des Wortes) mehr fähig sind.

Dennoch: Nur 20% der MS Patienten landen einmal im Rollstuhl, und Sport hilft nachgewiesen dabei, den Körper gesund zu halten!

 

Jede Menge Motivation

Hast du auch solche Probleme damit, regelmäßig Sport zu treiben weil dir die Zeit oder die Motivation fehlt?

Dann empfehle ich dir jetzt und sofort einen Blick auf die tolle Seite von Jule von FitnessFoodMS zu werfen!

Sie leidet selbst unter MS und hat sich als sportbegeisterte Person auch von der Diagnose nicht abhalten lassen.

Wenn mir morgens die Motivation fehlt, dann denke ich immer: „Noch kann ich Sport treiben – wer weiß ob das immer so bleibt. Also werde ich JETZT so viel Sport treiben wie ich möchte!“.

 

Ich lernte also, durch die Multiple Sklerose Sport zu lieben

Weil ich meinen Körper liebe, und weil ich dankbar für jede Funktion bin, die er hat.

Natürlich gibt es auch bei mir Schwankungen, und mein letzter Schub im Mai hat mir ein kräftiges Bein gestellt. Er hat mich niedergeworfen, er hat mich fertig gemacht.

Er machte mich schwindlig, er machte mich krank… Und dennoch machte er mich nicht weniger stark.

Ich ging wieder trainieren, ich stieg langsam ein. Ich tat, was mir gut tat – und das ist in den seltensten Fällen die Couch, auf lange Sicht.

Ich kämpfte mich hoch und arbeitete daran, wieder so fit wie vorher zu sein. Heute kann ich stolz sagen, dass ich es geschafft habe.

Sport mit MS

Es muss ja nicht gleich ein Marathon sein!

Mit Multiple Sklerose Sport zu treiben ist natürlich nicht immer möglich – zumindest nicht in dem Maße, wie gesunde Menschen. ABER: Wir können tun, was in unseren Möglichkeiten liegt.

Kurze Strecken gehen statt das Auto zu nehmen. Pausen einzuplanen, wenn man sie braucht – und dann am nächsten Tag vielleicht zwei oder drei Schritte mehr wagen.

Leichtes Hanteltrainig kann man auch wunderbar im Sitzen machen, oder sogar im liegen… Es gibt einen Weg, und wenn du ihn gehen willst, dann findest du ihn auch.

Lass uns der Fatigue den Mittelfinger zeigen, (pardon, aber ist doch so 😛 ) indem wir gegen sie kämpfen. Das kann ich, und das kannst du auch!

Ich glaube an dich, und ich glaube daran, dass du deine Ziele erreichen kannst. Nicht jetzt, nicht gleicht – aber je früher du anfängst, sie dir zu setzen und an ihnen zu arbeiten, desto eher.

 

Gib nicht auf, kämpfe weiter – für dich und deinen Körper. Weil du ihn liebst. Meistens zumindest.

 

***

Treibst du mit Multiple Sklerose Sport? Oder musstest du wegen der Krankheit damit aufhören? Wie sieht es mit deinem inneren Schweinehund aus? Ich freue mich, deine Geschichte in den Kommentaren zu lesen.

 

Ich danke Eddy Kruse für die schönen Fotos vom Mount Kinabalu

 

 

 

 

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