Flauschige Freunde – Können Haustiere MS Patienten helfen?

Immer wieder fällt mir auf, wie viele meiner Leserinnen und Leser eines gemeinsam haben: Sie haben ein Haustier, dass ihnen in den dunklen Stunden der MS Kraft gibt.

Keine Frage also, dass ich mir das mal genauer ansehen möchte um herauszufinden, warum unsere flauschigen Freunde nicht nur Halt, sondern sogar Lebensfreunde und -sinn geben können!

 

Können Haustiere MS Patienten helfen?

 

Es ist durchaus üblich, dass Menschen, die schwere Schicksalsschläge zu verarbeiten haben, Tiere an die Seite gestellt werden. Man denke da an Delphintherapie, Hippotherapie oder auch Blindenhunde.

Doch bei Menschen mit MS sitzt der Schicksalsschlag, sitzt der Schmerz häufig da, wo ihn ein Psychologe, der eine solche Therapie verschreiben könnte, gar nicht vermutet oder sieht. 

Er sitzt knapp unter der Oberfläche, gut verpackt unter unserem strahlenden Lächeln, unter dem Satz „Mir geht’s gut“, der uns oft schneller über die Lippen kommt als dass wir darüber nachdenken können, ob dem wirklich so ist.

Wir haben gelernt, uns in die kleine Kammer unter unserer Oberfläche zurückzuziehen, wenn es uns nicht gutgeht. Nach außen hin funktionieren wir prächtig, kriegen wir alles auf die Reihe, sehen wir „doch total gut aus!“.

Haustiere MS

Und genau in dem Fall können Haustiere MS Patienten helfen!

 

Denn Schwäche zeigen, das ist nie leicht – vor allem nicht vor einem anderen Menschen. Zumal wir uns ja unsere Maske, unsere äußerliche (und im Idealfall auch innere) Stärke mühevoll aufgebaut haben.

Und vielleicht sind wir tatsächlich stark, geht es uns tatsächlich gut im Großen und Ganzen – aber ganz bestimmt nicht immer! Dafür ist die MS dann einfach doch zu heimtückisch, zu mies, zu unberechenbar.

Also straucheln wir, stolpern und fallen. Dabei von einem Menschen beobachtet zu werden, macht das Gefühl des „Versagt habens“ nur noch größer.

Oft schämen wir uns dann regelrecht. Wir haben Angst davor, von anderen Menschen verurteilt zum werden, weil wir Schwäche zeigen.

 

Doch können Haustiere MS Patienten verurteilen?

 

Nope, geht nicht – und selbst wenn sie es könnten, wären sie dafür wahrscheinlich zu nett.

Für dein Haustier bist du du das Größte auf der Welt (Na gut, du und Futter). Du bist der Held, die Heldin in seiner Geschichte. Wenn du kommst, geht für dein Haustier die Sonne auf. Es ist ganz einfach – du wirst geliebt!

 

Und diese ehrliche, tiefe Liebe, die dein Haustier dir entgegen bringt, ist der Grund, warum Haustiere MS Patienten helfen können.

 

Wir sind umgeben von Menschen, die unsere Aufmerksamkeit wollen. Aber nicht nur das: Sie wollen unsere Meinung, sie wollen dass wir zuhören, sie wollen, dass wir uns mit ihren Fragen und Problemen auseinandersetzen.

Und das tun wir gerne, wirklich!! Aber manchmal können wir das einfach nicht leisten.

Da geht es, und das ist nicht egoistisch sondern menschlich, einfach mal nur um uns. Nicht, weil wir das wollen, sondern weil wir nun mal nicht anders können.

Und das muss auch kein Mensch verstehen, der nicht MS hat. Das fordern wir gar nicht. Wir wollen da manchmal auch gar nicht weiter drüber sprechen.

Alles was wir wollen, ist uns irgendwo einzurollen, dabei in warme braune Augen zu schauen und Wärme zu spüren. Weiche Wärme, die uns gegeben wird, ohne dabei direkt eine Gegenleistung zu fordern. Ohne Vorwürfe, ohne Vorurteile.

Haustiere MS

 

Und das ist es, was Haustiere MS Patienten geben.

 

Sie geben Geborgenheit, wenn wir uns alleine und missverstanden fühlen. Sie geben Stille, wenn wir nicht sprechen wollen. Wärme, wenn wir das Gefühl haben, mit dieser kalten Welt da draußen einfach nicht mehr klar zu kommen.

Sie stellen keine Fragen. Sie erwarten keine Antworten. Sie haben auch keine gut gemeinten Ratschläge für uns in petto.

Alles, was sie tun, ist da zu sein.

 

Wie Haustiere MS Patienten noch helfen?

 

Sie geben uns eine Aufgabe. Einen Sinn. Einen Grund für „all das“.

Immer wieder denke ich bei dem Thema „MS und Haustiere“ an Nicole, die mit mir in diesem kurzen Film zum Welt-MS Tag mitgespielt hat.

Für sie war ihre Hündin das Einzige, was sie aus dem Bett gelockt hat, als gefühlt gar nichts mehr ging.

Ihre Hündin gab ihrem Dasein einen Sinn. Machte, dass sie über sich hinaus wachsen konnte, denn sie wurde gebraucht.

Und nichts pusht uns so sehr, wie das Gefühl, wichtig zu sein. Nichts macht uns so stark, wie über unseren Schatten zu springen. Dinge zu vollbringen, die wir nie für möglich gehalten hatten.

 

Die MS kann uns das Gefühl geben, nutzlos, ja, unsichtbar zu sein.

 

Ein Haustier macht uns wieder sichtbar. Es hilft uns dabei uns wichtig, gebraucht und geliebt zu fühlen.

Und ist es nicht das, was das Leben lebenswert macht?

 

Hund MS

Natürlich sind Haustiere MS Patienten nicht nur eine Stütze – sie brauchen auch Pflege, Zeit und Kraft.

 

Ich sage nicht, dass nun jeder Mensch sich wahllos ein Tier anschaffen sollte, um jemanden zum kuscheln zu haben. Bloß nicht.

Wir sprechen hier immer noch über ein Lebewesen – eines das ebenfalls krank werden kann, das viele Jahre lebt, das teuer werden kann. Das viel Liebe braucht.

Die Unsicherheit des Verlaufs der MS macht es so schwierig, sich für ein Haustier zu entscheiden – gerade wenn man allein lebt.

Wird man das Haustier immer versorgen können? Wird es irgendwann zu anstrengend werden? 

Diese Gedanken sollte man sich immer stellen, bevor man ein Haustier in sein Leben holt.

Doch auch wenn die Zweifel überwiegen und du dich dagegen entscheidest, musst du nicht immer ohne flauschigen Kumpanen bleiben!

Wie wäre es, wenn du einfach mal den Hund von Freunden mit auf einen Spaziergang nimmst? Wenn du dich um die Katze deiner Nachbarin kümmerst, während diese im Urlaub ist?

 

Diese kleinen Momente reichen schon dafür aus, zu verstehen warum Haustiere MS Patienten helfen.

 

Wir müssen nicht immer alles an uns binden, um es genießen zu können. Manchmal reichen schon ein paar Stunden oder Tage aus, um Kraft aus unseren wunderbaren flauschigen Freunden zu schöpfen.

Dafür sollten wir dankbar sein, dafür sollten wir viel Liebe zurück geben – denn wenn man sich gegenseitig unterstützt, dann können Haustiere uns MS Patienten nicht nur helfen. 

Sie können uns tatsächlich retten.

 

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