Sex und MS? Zeit, darüber zu sprechen!

Ich bin immer wieder sehr froh, wenn sich meine Leser*innen mir in Emails und Nachrichten auf Facebook anvertrauen.

Andererseits stellt es mich manchmal auch vor große Fragen, die ich nicht beantworten kann, was mich traurig macht – umso größer also der Ansporn, ein Thema mal verständlich aufzuarbeiten, auf das ich immer wieder angesprochen werde.

„Liebe Samira, ich muss dir jetzt einfach mal schreiben. An sich geht es mir meistens ganz gut, aber über eine Sache habe ich mich bisher noch nicht getraut, mit jemandem zu sprechen: Sex und MS. Ich habe das Gefühl, dass meine Libido seit einigen Jahren komplett erloschen ist“.

Der Konsens dieser Nachrichten ist oft ähnlich: Gefühlsstörungen, Fatigue und tausend andere Gründe kann es geben, wie Sex und MS zusammenhängen.

Heute wird es also mal Zeit, das Thema Sex und MS aus der Schmuddelecke rauszuholen (was bitte ist an Sex schmuddelig?) und dem Sexualleben bzw. seiner eventuellen temporären Nichtexistenz von Menschen mit MS eine Bühne zu geben.

Denn wenn man über alles offen sprechen mag, dann sollte sich das auch auf diesen Teil eines erfüllten Lebens beziehen, oder?

Wusstest du, dass 70% der Männer mit MS und 60% der Frauen mit dieser Krankheit irgendwann einmal von den Problemen betroffen sind?

MS und Sex

 

Sex und MS – Angriff auf drei Ebenen

 

Da das MistStück eben genau das ist, kann es Menschen mit MS nicht nur auf einer, sondern gleich auf drei Ebenen ins Sexualleben reingrätschen.

Ich erkläre nun kurz die diese drei Ebenen, weiter unten findest du dann konkrete Vorschläge und Produkte, die dir helfen können, wenn dich eines oder mehrere dieser Probleme betreffen!

 

Primäre Sexualstörungen durch MS

 

Als Primäre Sexualstörungen bezeichnet man grob gesagt die sexuellen Körperfunktionen, die durch die MS direkt eingeschränkt sein können. Sie machen Sex und MS auf den ersten Blick schon rein technisch zur Herausforderung.

So können Störungen der Sensibilität an Vagina und Penis dazu führen, dass betroffene Männer oder Frauen kein Lustempfinden (beziehungsweise rein gar nichts) spüren beim Sex. Reibung? Erregung? Leider nicht. Das  macht es natürlich auch kompliziert, auf „klassische“ Weise zum Orgasmus zu kommen.

Weitere Primäre Sexualstörungen sind Schmerzen, Impotenz, Scheidentrockenheit.

 

Sekundäre Sexualstörungen bei MS

 

Natürlich schlägt die MS nicht immer direkt dort zu, wo man direkt einen Einfluss auf das Thema „Sex und MS“ erwartet.

Denn Sex findet ja nicht nur im Genitalbereich statt – der ganze Körper ist involviert!

Als am stärksten sekundär beeinträchtigendes Symptom der MS kann sicherlich die Fatigue, die andauernde, chronische Erschöpfung genannt werden. Der wer hat schon Lust auf die Lust, wenn man es nicht mal mehr schafft, aufzustehen und sich einen Tee zu machen?

Und ganz ehrlich: In so einem Moment würde man den Tee wohl vorziehen. Aufregend und sexy fühlt sich Fatigue nicht an, so viel steht fest. Eher so, als stecke man in einer permanenten Flauschsocke, die mit Beton ausgegossen wurde. Sex bei Fatigue? Ähm, nope. Vielleicht morgen.

Häufig treten bei MS Patienten auch Störungen der Harnentleerung auf, wodurch gerade bei Frauen ein Hang zu Blasenentzündungen entstehen kann. Und wer schon mal eine Blasenentzündung hatte – und das sind jede Menge Frauen, ob nun mit MS oder nicht – der weiß, dass Sex damit nun wirklich keine Option ist.

 

Tertiäre Sexualstörungen bei MS

 

Zu den Tertiären Sexualstörungen, die Sex und MS zu einer schweren Mission machen können, gehören die psychischen Belastungen, die mit der Erkrankung einhergehen können.

Viele MS-Patienten leiden, zumindest zeitweise, an Depressionen. Diese haben natürlich einen Einfluss auf den Sex mit MS.

Denn die Belastungen, die die MS mit sich bringen kann, wirbeln alles durcheinander: Plötzlich fühlt man sich schwach, krank, weniger wertvoll – und dadurch oft auch weniger sexy und anziehend.

Der Kopf ist ständig bei der Erkrankung, man kann nicht loslassen… Und wer schon mal versucht hat, mit einem vollen Kopf und komplett abgelenkt Sex zu haben, der weiß, dass das nicht nur für einen selbst, sondern auch für den Partner/die Partnerin nicht angenehm ist.

 

Was kannst du konkret dagegen tun, wenn das Thema “Sex und MS” dich belastet ?

 

MS Blog

 

Bei primären Störungen

 

Sind die Störungen direkt körperlich, greifen die meisten Männer zu Potenzmitteln. Diese wirken bei manchen besser, bei manchen weniger (oder leider gar nicht). Aber: Versuchen kann es ja mal, oder? Dafür musst du dich nicht schämen – es gibt echt peinlicheres. Zumal du nichts dafür kannst, und immerhin kämpft, statt direkt aufzugeben! Dein Arzt kann dir entsprechende Präparate empfehlen und verschreiben.

Auch solche Penisringe (für Anfänger am besten die aus Silikon) können dabei helfen, eine Erektion zu bekommen und/oder aufrecht zu erhalten.

Es gibt natürlich außerdem eine Menge Dildos und eine Bandbreite an Strap-ons, mit denen man experimentieren kann.

Bei Frauen, die Probleme haben feucht zu werden, empfiehlt sich ein Gleitgel (und ein langes Vorspiel). Solltet ihr ein Kondom benutzen, dann achte darauf, dass das Gleitgel dieses nicht zerstört. Es gibt solche Gleitgele auf Wasserbasis, die leider manchmal etwas klebrig sein können, oder solche Gleitgele auf Silikonbasis. Was dir besser gefällt kannst du ganz einfach ausprobieren, indem du erstmal eine kleine Größe bestellst oder dich im Sexshop beraten lässt!

Natürlich ist es nicht damit getan, die reine „Funktion“ wieder herzustellen.  Sex und MS ist ja auch manchmal deswegen schwierig, weil das Empfinden einfach nicht da ist.

Ich würde euch vorschlagen, zu erkunden, was es noch für erogene Zonen an eurem Körper gibt. Das kann echt spannend sein! Manche Menschen finden es erregend, wenn jemand an ihren Zehen lutscht. Oder die Innenseite der Arme küsst, oder den Kopf massiert… Beschränkt euch nicht auf das Offensichtliche, wenn es dort gerade „hakt“.

Dieses Buch ist zum Beispiel ein toller Einstieg in die Lust, die dein Körper für dich parat hält – und die den Sex mit MS möglich und wieder schön machen kann. Das Zauberwort heißt Tantra! Und es ist bei weitem nicht so esoterisch, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Was hast du zu verlieren, wenn du es mal ausprobierst?

 

Was tun bei sekundären Störungen?

 

1. Fatigue ist ätzend, lähmend, betäubend. Dagegen benutzen mittlerweile viele chronisch Kranke ein solches Cannabisöl, das ich aber noch nicht getestet habe (Heike von Multiple Arts schwört aber drauf! Hier gehts zu ihrem Artikel darüber).

Es soll dabei helfen, dich wieder ein bisschen fitter zu machen. Außerdem sind manche Wirkstoffe von Cannabis aphrodisierend – klingt doch nach einer guten Mischung!

Ansonsten ist die Fatigue ja bei vielen nicht durchgehend präsent, sondern tritt ab und an stark auf, und geht auch wieder weg. Also: Nutz die Zeiten, in denen du dich fit fühlst, für eure Zweisamkeit (Oder Quality Time mit dir selbst 😉 😉 )  und vertage den Sex auf morgen, wenn du dich erschlagen fühlst. Erzwinge nichts – das macht euch nur beide verkrampft. Sex und MS schließen sich definitiv nicht aus, wenn du den Zeitpunkt so legst, dass es dir gut geht dabei.

2. Blasenentzündung, dieses leidige Thema. Viele Frauen können davon ein Lied singen. Ich kann dir drei Dinge empfehlen:

Dieses Dampfbad – es ist einfach magisch und vor allem kostet es nix!

Cranberrykapseln – kann man auch vorbeugend nehmen

Blasen- und Nierentee – denn wenn eines hilft, dann trinken, trinken, trinken!

 

Was tun bei tertiären Störungen?

 

Allein der Gedanke and Sex und MS wird zur Tortur, wenn man unter einer Depression oder einer Depressiven Verstimmung leidet.

Zu den Schuldgefühlen seinem Umfeld gegenüber („Ich bin nutzlos“) und den Zweifeln („Was bringt die Zukunft für mich?“) gesellen sich jetzt auch noch Selbstzweifel und Entfremdung von Partner oder Partnerin.

Man igelt sich ein, lässt keinen an sich ran – seelisch, aber auch körperlich.

Hier kann ich dir nur empfehlen, die professionelle Hilfe eines Psychologen*in in Anspruch zu nehmen. Denn du hast nichts verbrochen! Und du musst dich auch für nichts schämen!

Es kann helfen, auch über die Ängste im Bezug auf Sex und MS mit jemanden zu sprechen, den man nicht kennt. Und dann wiederum die in der Therapie erlernten Erkenntnisse mit dem Partner/der Partnerin zu besprechen und auszuprobieren.

Sich helfen zu lassen ist zwar nicht leicht, aber es kann, und das meine ich komplett ernst, Leben retten.

 

Sex und MS – DU bestimmst, wie dein Sexleben aussieht!

 

Kann MS dazu führen, dass bei dir „tote Hose“ herrscht? Ja, kann sie. Ist sie frustrierend, angsteinflößend, übermächtig? Oftmals schon.

Dennoch bin ich überzeugt davon, dass du und dein Partner / deine Partnerin einen Weg für euch finden könnt. 

Das wichtigste: Sprecht darüber, wenn Sex und MS sich gerade im Weg stehen. Öffnet euch für die Möglichkeiten. Probiert Sextoys aus, erkundet eure Körper. Belegt euch über Tantra.

 

Natürlich haben auch Menschen mit Behinderung Sex! Sex und MS schließt sich also nicht aus!

 

Sexy, das ist ein Gefühl das im Kopf entsteht. Und nicht ein bestimmtes Körperbild.

Selbstvertrauen ist sexy. Kämpfen ist sexy. Nicht aufgeben und alles dafür tun, was man kann (und trotzdem auch mal ganz mutig „nein“ sagen) – das ist sexy.

Und ich finde, du bist verdammt sexy.

 

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Erkennst du dich in dem Artikel wieder? Hat sich dein Sexleben verändert seit du MS hast, oder ist alles beim alten? Hilf dabei, das Thema “Sex und MS” zu enttabuisieren und hinterlass einen Kommentar!

 

 

*Dieser Text enthält Affiliate – Links! Das heißt, dass ich eine kleine Provision bekomme, wenn du ein von mir empfohlenes Produkt kaufst. Für dich ändert sich am Kaufpreis rein gar nichts! Sieh es einfach als kleines Dankeschön von dir an mich an 🙂 Wenn du das doof findest, kannst du das Produkt natürlich auch ganz einfach selbst bei Amazon suchen. No Problemo. Wenn du es über den Link bestellst – Danke! So hilfst du mir dabei, noch mehr Liebe, Zeit und Herzblut in chronisch fabelhaft zu stecken! Bussi auf Bauchi!

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