Mit MS normal leben – geht das?

Als mein Arzt nach der Diagnose folgenden Satz zu mir sagte, brach bei mir das erste mal die Panik aus:

„Frau Mousa, es ist schon unter Umständen möglich mit MS ein annähernd normales Leben zu führen“.

Unter Umständen annähernd normal?? Ach du verdammte….

 

Ich wollte doch einfach nur “normal” leben!

 

Ich sah meine Zukunft plötzlich nicht mehr voller bunter, aufregender Optionen – ich sah schwarz. Es war, als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggezogen.

Ich sah mich im Rollstuhl, ich sah mich am Tropf. Ich sah mich mit Inkontinenz.

Ja, keine schöne Vorstellung, ich weiß. Aber wir hatten ja gesagt, dass wir hier über alles reden – also mache ich mal den Anfang und bin so ehrlich.

Sicherlich kennst auch du diese Unsicherheit im Hinblick auf den Verlauf deiner Krankheit.

 

Aber wie ist das nun: Kann man mit MS normal leben?

 

Dazu möchte ich gerne erstmal kurz meine Sichtweise auf das Wort „normal“ äußern.

Ist ja auch eines dieser ganz großen Worte, die viel zu häufig herumgeschleudert werden. Ich selbst bin da übrigens keine Ausnahme.

Nehmen wir uns aber die Zeit, mal genau darüber nachzudenken. Schon wird klar: „Normal“ ist irgendwie alles und nichts.

 

„Normal“ ist eine Mischung aus Erfahrungen, Konditionierung und Gewohnheiten.

 

Ein paar Beispiele gefällig?

Für manche ist es normal, jedes Jahr mehrmals zum Zahnarzt zu müssen, weil ständig irgendwas mit den Zähnen ist. Wenn ich ihnen berichte, dass ich noch nie Karies hatte, finden sie das meistens doch eher außergewöhnlich und nicht normal.

Viele Menschen fasten vor Ostern oder verzichten auf gewisse „Genussmittel“ wie Zigaretten, Alkohol oder Süßigkeiten.

Während der Verzicht für die Fastenden eine einschneidende Ausnahme und Umstellung bedeutet, ist er für einen Großteil der Bevölkerung ganz normal – nämlich für die Nichtraucher, Nicht-Trinker und Menschen, die nun mal nicht gern naschen (was ich wiederum absolut nicht „normal“ finde 😉 – du verstehst was ich meine, oder?).

Wir sehen also: „Normal“ ist vor allem eines: Auslegungssache!

Um es kurz zu machen:

 

Ja, na klar kannst du mit MS normal Leben.

 

Es ist allerdings immer einen Versuch wert, mal an den paar Stellschrauben im Kopf zu drehen, wenn die Krankheit (das kleine Miststück) mal wieder die Oberhand gewinnt und einem Steine in den Weg legt (was eventuell vorkommen wird).

Du entscheidest, was für dich „normal“ ist.

Man könnte nun fragen, wer denn bitteschön überhaupt normal sein möchte. Diese Frage würde ich allerdings eher aus dem Munde von einem Menschen ohne MS erwarten.

Fakt ist: Jede erkrankte Person hat den Wunsch, mit MS normal leben zu können. Korrigier mich gerne, wenn ich da falsch liege.

Leider haben wir es nicht wirklich in der Hand, wie es mit uns weitergeht – was wir aber machen können, ist an unserer Einstellung zu arbeiten.

 

Du kannst an der Herausforderung wachsen, statt an ihr zu zerbrechen.

 

Du kannst deinen Körper neu kennenlernen – mit seinen Stärken und Schwächen.

Du kannst eine ungeheure Kraft entwickeln, wenn du nicht zulässt, dass dunkle Gedanken deinen kompletten Tagesablauf überschatten.

Und du kannst selbst bestimmen, wie „unnormal“ oder „normal“ du dich siehst.

Ein Rollstuhl ist nichts Unnormales. Humpeln ist nicht Unnormal. Fatigue haben und unendlich müde zu sein ist absolut nervig – aber auch nicht unnormal.

 

Du bist nicht allein, vergiss das nicht.

 

Multiple Sklerose ist leider eine sehr häufige Erkrankung in Deutschland – was uns aber wieder in Punkten Forschung und ja, auch Akzeptanz in der Gesellschaft weiterhilft

Sieh dich bitte nie, nie als „unnormal“ wenn dich das stört.

Wie wäre es denn lieber als „Du mit einem gewissen Extra“?

 

Klingt vielleicht albern, aber manchmal hilft es wirklich ungemein, die MS mit etwas Humor zu nehmen (schlimmer wird sie dadurch zumindest nicht, oder?).

Viele Menschen mit MS haben hier und da Einschränkungen. Manche stärker, manche kaum – andere quasi gar nicht (zumindest nicht sichtbar).

Diese Einschränken sind nervig, sie sind niederschmetternd und sie machen Angst. Manchmal sorgen sie auch dafür, dass man sein Leben und seine Gewohnheiten ändern muss.

Aber eines tun sie nicht: Einem „unnormal“ oder zu einem Menschen zu machen, der weniger wert ist.

Ich musste selbst lange grübeln, eine Menge Tränen vergießen (na klar, was hast du denn gedacht??) und mir selbst kräftig in den Hintern treten, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich auch mit MS normal leben kann.

 

Je nachdem, wie du dein „normal“ auslegst, werden die Grenzen immer kleiner!

 

Gehe auf Reisen, wenn du das möchtest (einen detaillierten Artikel zum Backpacking mit MS gibt’s hier).
Gib deine Träume nicht auf, nur weil du MS hast. Passe sie lieber hier und da an.
Lache und Singe laut, wenn dir danach ist.

Lass es uns angehen. Denn was „normal“ ist, wie normal du sein willst und wie du mit deinen Einschränkungen umgehst, das hast allein du in der Hand.

***

Wie stehst du zu dem Wort “normal”? Würdest du sagen, dass du mit MS normal leben kannst? Teile deine Geschichte mit uns und hinterlasse einen Kommentar!

 

 

 

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2 comments

  1. Hey Samira,
    Ich bin gerade erst auf deine Seite gestossen und bin überwältigt was für eine unglaublich starke Persönlichkeit du bist. Ich selber habe seit einigen Wochen die selbe Diagnose. Meine momentanen Gefühle fahren Achterbahn – aber das ist okay.
    Ich wollte einfach DANKE sagen für deinen Blog!
    Du gibst einem Kraft und schenkst einem eine andere Sichtweise.
    Danke dafür!

    Liebe Grüße
    Monique

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