Die 6 größten Fehler nach der Kortisonstoßtherapie

Wenn du meinen Artikel von letzter Woche gelesen hast, weißt du ja dass es mich gerade mal wieder erwischt hat.

Ich hatte einen leichten Schub, und dieser wurde mit einer Kortisonstoßtherapie behandelt.

 

Das heißt, ich bekam drei Tage am Stück durch einen Tropf hoch dosiertes Kortison.

Dieses sorgt dafür, dass die entzündete Stelle im Gehirn sich schneller zurück bildet.

Man muss nicht immer Kortison geben, aber es ist eben eine Option – machmal die einzige (dieser Artikel von mir geht auf das Für und Wider ein).

So viel zur Theorie…

 

Wie sich so eine Kortisonstoßtherapie anfühlt?

 

Kortison ist ein Stresshormon. Das heißt, während der Infusion und in den Stunden danach fühlt es sich an, als hätte man mindestens fünf doppelte Espresso getrunken.

Und statt Zucker noch schön Aufputschmittel reingerührt.

Man fühlt sich etwas verwirrt, aber ziemlich aufgeladen und energetisch.

Ich selbst tigerte mit meiner Tropfstange so lange durch die Flure der Krankenhaustation, bis ich gebeten wurde doch mal ins Bett zu gehen. Dort lag ich dann, knirschte mit dem Kiefer und wartete, bis dieses High endlich wieder einem Normalzustand weichen würde.

 

Das Problem: Nach dem High kommt das Tief.

 

Das heißt, in den Tagen (und leider oft auch Wochen) danach fühlt es sich an, als würde man tagein tagaus den größten Kater der Welt mit sich herumschleppen (leider ohne die tolle Party davor, die das ganze irgendwie erträglicher gemacht hätte).

Man ist verwirrt, erschöpft, fühlt sich einsam… und irgendwie ziemlich nutzlos.

So ging es auch mir als ich entlassen wurde – und mal wieder wollte Fräulein Mousa danach alles, wie immer, und bitte recht zügig.

Fail.

 

Ich habe mich mal wieder tierisch übernommen und überschätzt.

 

Das gute daran: Da ich diese Fehler bereits für dich gemacht habe, brauchst du sie nicht zu wiederholen – ganz praktisch, oder?

Was also waren meine Fehler nach der Kortisonstoßtherapie?

Ich habe dir meine größten Faux Pas aufgelistet, und gleich eine schöne Ladung Tipps dazu, damit du nicht in die selben Fallen tappst!

 

1. Nimm dir nichts vor, was dich nervt oder stresst

 

Der Besuch der Schwiegereltern? Großer Kindergeburtstag oder Klassentreffen?

Chill mal.

Du wirst dich eventuell nicht in der Lage fühlen, solche großen Aktionen durchzuziehen – und wenn du es irgendwie einrichten kannst, dann verschiebe sie.

Oder gib sie ab. Ich weiß, das ist oft leichter gesagt als getan, das ist ja bei mir nicht anders als bei dir.

Aber mit ein wenig Planung kannst du versuchen, die Dinge so zu legen, dass sie nicht in den Zeitraum unmittelbar nach deinem Krankenhausaufenthalt fallen.

So überraschend kommt der Schub ja dann meistens doch nicht – also plane vorausschauend!

Natürlich ist es hilfreich, wenn dein Umfeld bescheid weiß. Notfalls kannst du aber auch eine andere Krankheit vorschieben, was solls – versuch, dir die Tage danach freizuschaufeln!

 

2. Lass dich noch ein paar Tage danach krankschreiben

 

Kein Arzt wird dir verwehren, dich nach der Kortisonstoßtherapie noch ein paar Tage krank zu schreiben.

Es ist wichtig, dass du dich jetzt schonst, und dazu gehört nun mal auch, dass du nur arbeitest, wenn du es schon wieder kannst.

Nimm nicht das ganze Gewicht der Welt (oder der Firma) auf deine Schultern.

Gib ab, was du abgeben kannst. Vielleicht kannst du dich ja auch mit deinem Arbeitgeber darauf einigen, dass du von zu Hause aus arbeitest?

Mir tut es immer gut, wenn ich die Dinge im Bett erledigen kann, oder zumindest die Option habe, mich ab und an aufs Ohr zu legen.

Sei also lieber eine Woche komplett nicht da, als zwei Wochen lang auf dem Zahnfleisch dahin zu kriechen. Davon hat ja keiner was – am wenigsten du!

 

3. Fahre dein Sportprogramm runter

 

Du warst vor der Kortisonstoßtherapie zwei Mal die Woche im Fitnesstudio? Klasse. Dann gönn dir jetzt mal schön zwei Wochen Pause.

Auch wenn das Kortison bei einer so kurzen Gabe dazu führen kann, dass du dich aufgeschwemmt und verwässert fühlst – du brauchst jetzt keine zu große Anstrengung. Du brauchst Ruhe.

Umso schneller bist du wieder ganz die alte, und kannst dich wieder an deine vorherige Form heranarbeiten.

 

4. Triff keine großen Entscheidungen

 

Ich selbst bin nach so einer Kortisonstoßtherapie immer richtig schön durch den Wind. Der Kopf funktioniert nicht richtig, die Gedanken sind ungeordnet und manchmal richtig wirr.

Deswegen solltest du große Entscheidungen lieber auf später vertagen.

Oft kommt noch eine ganze Ladung geballter Gefühle hinzu, so dass man viel zu emotional handelt.

Das kann natürlich die Entscheidungen stark beeinflussen, und im Nachhinhein verstehe ich dann oft gar nicht mehr, warum ich etwas so oder so gemacht habe.

Also lieber erstmal warten, bis du richtig klar im Kopf bist – und dann den Mietvertrag unterschreiben oder das Auto kaufen.

 

5. Nimm Hilfe an, wenn sie dir angeboten wird

 

Bist du auch so eine Person, die alles immer am liebsten alleine macht? Willkommen im Club!

Ich tue mich immer noch sehr schwer damit, Hilfe anzunehmen. Danach fragen? Schon gar nicht.

Doch nach einer Kortisonstoßtherapie ist es wichtig, dass du die Hand greifst, die man dir reicht.

Wenn dein Umfeld also bescheid weiß, wird es reagieren – und du wist positiv überrascht sein, wie viele Menschen dir anbieten, dir dieses oder jenes abzunehmen.

Das kann der Kollege oder die Kollegin sein, die deine Emails betreut, oder dein*e Lebenspartner*in, der*die den Einkauf übernimmt.

Freunde, die dir Pizza bringen. Nachbarn, die deinen Hund ausführen.

Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für große Heldentaten oder Eitelkeiten. Jetzt ist der Zeitpunkt, auch mal zu nehmen – und das möglichst ohne schlechtes Gewissen.

 

6. Ernähre dich gesund

 

Ich meine hiermit nicht, dass du deine crazy Diät durchziehen sollst – ganz im Gegenteil.

Iss worauf du Lust hast, aber achte dabei darauf, dass das Essen frisch, gesund und abwechslungsreich ist.

Gemüse und Obst aus Bio-Anbau mag im Alltag zu teuer sein, aber jetzt solltest du es dir gönnen wenn du kannst. Belaste deine Nerven nicht noch zusätzlich mit Nervengift in Form von Pestiziden und meide glutamathaltige und stark verarbeitete Fertiggerichte.

Du brauchst Vitamine und Ballaststoffe, damit deine Verdauung und dein Kreislauf wieder in Schwung kommen, und damit sich dein Immunsystem wieder erholen kann!

Also, lieber Rohkostsalat aus Bio-Gemüse als Lasagne aus der Mikrowelle und Chips!! Sowieso – und jetzt ganz besonders.

Wenn es Naschereien sein sollen (was zumindest bei mir nach der Therapie immer der Fall ist), dann versuche, gesunde alternativen zu finden – etwa leckere Chips aus Gemüse, das im Ofen gebacken wurde, getrocknete Früchte oder diese herrliche vegane Schokolade. Da freut sich die Seele – und die Kalorienbilanz!

 

Ich hoffe dass es dir bald wieder besser geht und dass du die Zeit nach deiner Kortisonstoßtherapie gut überstehst.

 

Tu, was dir gut tut. Höre auf deinen Körper, und gönne ihm die Ruhe, die er braucht, damit du dich bald wieder auf ihn verlassen kannst – zumindest vorerst!

***

Wie geht es dir nach der Kortisonstoßtherapie? Hast du Anfangs auch Fehler gemacht? Was hast du aus ihnen gelernt? Teile deine Geschichte mit uns in der Kommentarspalte!

 

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15 comments

  1. Hallo Samira,
    es ist prima dass du genau die richtigen Regeln hier deutlich beschreibst. Es sind im Prinzip ganz einfache Dinge auf die man achten sollte, zuerst mal auf sich, alles andere kann warten.
    Ich habe leider auch etwas länger gebraucht um das zu erkennen, erst als nach dem 15. oder 16. Schub eh keine Kraft mehr da war holten mich die Erkenntnis und die Worte lieber Angehöriger ein. Seitdem mache ich dann lieber ruhige Tage anstatt aufgeputscht zu versuchen die Welt zu retten.
    Warum wurde mir genau das bei der Diagnose verschwiegen fragte ich mich? Ich bezweifle aber eh, dass ich so ein Regelwerk damals akzeptiert hätte.
    Nun hoffe ich zumindest dass unsere Worte andere Erkrankte bei ihren ersten Schüben zum Nachdenken bringen denn irgendwann lernt es fast jeder, aber es kann bis dahin eine ganz schöne Quälerei werden.
    Viele Grüße,
    Faxe

  2. Hallo Samira,
    ich habe heute meine erste Stoßtherapie begonnen und möchte mich bei dir für die hilfreichen und sehr liebgemeinten Ratschläge bedanken. Ich bin ein Typ Mensch, der immer gerne weiß, was auf ihn zukommt – dank deiner Hinweise kann ich mir selbst helfen und habe das Gefühl, etwas richtig zu machen (sonst würde ich mich nur faul und unproduktiv fühlen… sicher kennt der ein oder andere dieses Gefühl).

    Also: vielen Dank für die Tipps, ich werde auf mich achten <3

    Viele liebe Grüße
    Shari

    1. Alles gute dir Shari, schön easy going machen!! Danke für dein Feedback, und toll, dass der Artikel dir geholfen hat.

    2. Moin, dem kann ich nichts weiter hinzufügen. Letzte Woche kam die Diagnose und nun lasse ich gerade das Kortison ausklingen. Die Erkenntnis kam hart und sitzt tief! Ich weiß noch nicht so recht, wie ich damit umgehen soll. Es ist aber schön zu sehen, dass es nicht das Ende ist. Hier zu lesen gibt mir Kraft und ich hoffe, dass ich bald wieder uneingeschränkt, wie voher, sehen kann.
      Danke.

  3. Ich hatte letzte Woche Mittwoch bis Freitag meine Cortisonbehandlung. Seit Freitag Nachmittag bin ich wieder daheim und habe das ganze Wochenende nur geschlafen. Heute war der erste Tag, dass ich mal den Vormittag nicht im Bett lag, sondern auf der Couch. Dennoch Kopfschmerzen, Müdigkeit, Überlkeit, Schüttelfrost und Hitzewallungen… Ich hoffe, dass es jetzt endlich besser wird, ich erkenne mich einfach nicht wieder.

    1. Hey Mandy, das kenne ich nur zu gut… Bei mir dauert das manchmal bis zu 3 Wochen :/ Aber danach gehts dann gottseidank wieder.
      Alles Gute dir!

  4. Hi Samira,
    ich habe zwar kein MS, aber trotzdem auf Grund meines Tinnitus Ende August eine Kortison Stoßtherapie mit 3x 250 mg erhalten.. Anschließend 9 Tage lang Tabletten mit 40 mg zum ausschleichen. Nun hat meine Sehkraft deutlich nachgelassen… gibt es da schon Erfahrungen mit Kortison und den Augen? Netzhaut usw. wäre alles okay laut Augenarzt.
    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Hallo Sandra,
      ich freue mich immer wenn auch Menschen ohne MS über meinen Blog stolpern!
      Ich selbst sehe tatsächlich auch oft verschwommen nach der Kortisontherapie. Meistens liegt das bei mir denke ich an der schlichten Erschöpfung danach. Wenn der Arzt sagt, dass an sich mit deinen Augen alles okay ist, dann würde ich dem ganzen noch etwas Zeit geben. Auch wenn es natürlich belastend ist. Mir helfen zudem freiverkäufliche Augentropfen aus er Apotheke, um die Augen etwas zu befeuchten.
      Alles Gute dir!

  5. Hey Samira,
    ich danke Dir für deine schnelle Antwort! Ich hoffe sehr das ich meine übliche Sehkraft zurück erlange.. ich bin nun schon auf eine Brille angewiesen. Es hilft wohl nur Hoffen und Glauben das es besser wird! Ich wünsche Dir ebenfalls alles Gute und viel Kraft und Freunde im Leben!
    Liebe Grüße
    Sandra

  6. Liebe Samira, danke für die Tipps. Ich hab kein MS musste aus anderen Gründen gerade hochdosiert Kortison für 8 Tage nehmen. Dabei fuehlte ich mich wie von Dir beschrieben, jetzt nach der Einnahme bin ich im Tief gelandet. Aber jetzt weiss ich, das das wohl ganz normal ist und goenne mir ab jetzt einfach Ruhe. Vielen Dank für diese Erkenntnis, eine grosse Erleichterung für mich heute. Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

    1. Danke dir Manja, ich freue mich immer wenn ich auch Menschen ohne MS etwas Mut machen kann.
      Lass es locker angehen und hab etwas Geduld mit deinem Körper – es wird dir bald wieder besser gehen!

      Liebe Grüße

  7. Hallo Samira,

    mh, ich hatte vorletzte Woche meine ersten Stoßtherapie mit Kortison, 4 Tage lang 1000mg i.v. und dann 6 Tage lang ausgeschlichen mit Tabletten (80/80/60/60/40/40mg). Die Nebenwirkungen haben sich bei mir zum Glück sehr in Grenzen gehalten. Am ersten Tag verspürte ich eine leichte Euphorie, aber mehr auch nicht. Während der Infusionen hatte ich einen metallischen Geschmack im Mund und ich hatte mehr Appetit und Hunger als sonst. Ich konnte aber nachts durchschlafen und in ein Stimmungstief bin ich zum Glück auch nicht gefallen. Wenn ich so lese, wie es anderen da ergeht… puh.

    Liebe Grüße
    Anne

    1. Toll dass du die Therapie so gut vertragen hast! Ich kenne diesen komischen Geschmack. Und wie gesagt, während der Kortisonstöße auf die Kalorien zu achten, finde ich eh unpassend 😉 Da wird geschlemmt! So!

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