Die MS akzeptieren: 5 Gründe, warum die Krankheit dich stärker als je zuvor machen kann

Manchmal habe ich einen schlechten Tag.

Einen Tag, an dem sich die gesamte Welt (inklusive meines Körpers) gegen mich verschworen zu haben scheint. Oh, wie ich sie hasse, wie ich sie fürchte diese Tage… Die Tage, an denen ich denke, dass es nie schaffte die MS akzeptieren zu können.

 

Vielleicht habe ich dich angelogen.

 

Vielleicht habe ich es selbst noch nicht geschafft, die Multiple Sklerose immer so anzunehmen, wie ich es selbst predige.

Denn regelmäßig lande ich selbst in dem bösen, dunklen Loch, vor dem ich dich immer warne. Regelmäßig tappe ich in die Grübelfalle, versinke ich in Selbstmitleid, lasse ich das alles viel zu nah an meinen sensiblen Kern ran.

Ja, vielleicht habe ich dich angelogen. Vielleicht bin ich gar nicht so stark, so entschlossen, vielleicht denke ich auch manchmal daran, dass das alles keinen Sinn mehr macht – ja, du liest schon richtig. Manchmal bin ich schwach. Manchmal fällt das MS akzeptieren mir einfach nur schwer.

MS akzeptieren
Picture by Erik Schütz / GoodBY

Dann sitzt das MistStück fett und hässlich auf seinem Thron und grinst auf mich herab wie eine hämische Katze

 

„Du wirst niemals die MS akzeptieren können und ewig darunter leiden, dass du nicht verstehst, warum dir das passiert ist!“ flüstert mir mein Unterbewusstsein dann zu. Und ich stecke mal wieder in der Falle, in der Zange meiner Gedanken.

In dieser Situation gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Sich im Bett in Fötusstellung zusammenrollen und warten, dass das endlich vorbei geht.

 

Oder man steht wieder auf, richtet die Krone – und macht weiter.

 

Doch woher nimmt man diesen Antrieb (oder nennen wir ihn lieb er Auftrieb?). Woher die Stärke nehmen, wenn Schwäche all das ist, was wir fühlen? Wenn das MS akzeptieren Meilen weit weg scheint?

Heute verrate ich dir, wie ich es geschafft habe, und warum auch du das kannst. Denn die Stärke dafür – und das vergisst man sehr leicht – die ist bereits in dir.

 

Meine Taktik: Ich führe mir die Stärke vor Augen, welche die Krankheit in mein Leben gebracht hat. Es funktioniert!

 

Und jetzt merke ich, dass ich vielleicht doch nicht gelogen habe. Ich merke, dass das alles durchaus Sinn macht. Stelle fest, dass mein Rettungsring die ganze Zeit schon dort vor meinen Augen herum pendelt. Und das tut auch dein Rettungsring.

Du musst nur zugreifen und dich wieder aufrichten lassen. Und dieser Impuls, dieses Zugreifen – das kann nur von dir selbst ausgehen.

 

Wie bitte soll es dir beim MS akzeptieren helfen, wenn du dir vor Augen führst, dass sie dich stärker macht?

 

Das herauszufinden war ein langer Weg, und ich möchte dir dabei helfen, genau diesen Weg auch für dich und mit deiner Erkrankung zu gehen.

Denn ich weiß, dass die positive Einstellung, um die MS akzeptieren zu können, von jedem erreicht werden kann. Die Voraussetzung dafür schlummert in dir genauso wie in mir und in jeder anderen Person. Das gilt auch für Menschen die stärker beeinträchtigt sind als ich. Davon bin ich überzeugt!

Der Weg dahin, die MS akzeptieren zu können, mag je nach Grad deiner Beeinträchtigung und der Tiefe deines „Schwarzen Lochs“ etwas steiniger sein. ABER ER IST DA. Versprochen.

 

Ich habe nichts besonderes an mir, ich bin keine Psychologin und ich bin auch kein Vorbild.

 

Aber ich habe mir so meine Gedanken gemacht, wie ich es geschafft habe, die Krankheit als Stärke anzusehen und die MS akzeptieren zu können. Diese Tipps möchte ich heute an dich weitergeben. Weil ich weiß, dass du das auch schaffst!

Hier nun also meine 5 Gründe, warum die MS dich stärker als je zuvor machen kann. Ich hoffe, dass sie dich auch etwas mehr die MS akzeptieren lassen.

 

 

Blog frauen MS

1. Du weiß, was Leid ist

 

Einen der größten und wichtigsten Punkte, um die MS akzeptieren zu können, verrate ich dir gleich am Anfang.

Die Diagnose MS ist dein Tiefschlag, dein Teppich, der unter dir weggezogen wurde. Sie ist die Axt, die dein Leben in zwei geschlagen hat… zumindest erstmal. Sie hat dich vielleicht humpeln lassen, hat dich erblinden lassen. Sie macht, dass du Schmerzen leidest, die unbeschreiblich sind. 

Sie hält dich wach mit ihren dunklen Wolken, ihrem ungewissen Verlauf, ihren Launen.

Ja, du weißt was Leid ist. Du musst da durch – und zwar oft immer und immer wieder.

Vergiss aber nicht, dass es dich auch stark macht, wenn du weißt was Leid ist. Dass diese Fähigkeit, so viel zu ertragen, dir auch beim MS akzeptieren helfen kann! 

Du kannst lernen, die Dinge anders zu gewichten. Kleinigkeiten können an dir abprallen, wenn du dir dieser Stärke bewusst wirst. Denn du weißt, was echtes Leid ist – und stehst drüber, wenn die Kleinigkeiten des Alltags mal wieder nicht rund laufen.

 

2. Du lernst, welche Menschen in deinem Leben wirklich wichtig sind

 

Tausende Bekanntschaften, Nachbarn, Familie… ein großes Netzwerk ist etwas wunderbares.

Wir alle gehen anders mit der Diagnose MS um. Manche offen, manche erzählen es keinem. Für die Menschen, die damit offen umgehen, trennt sich im sozialen Bereich schnell die Spreu vom Weizen:

Manche Leute wenden sich vielleicht ab. „Mit dir kann man eh nichts mehr unternehmen“, sagen sie dann. Weißt du was ich da sage? 

„Danke, und Tschüss!“.

Auch wenn es schmerzt – die MS zeigt dir, wer wirklich deine Freunde sind. Auf die anderen kannst du verzichten.

Es kann hilfreich beim MS akzeptieren sein, wenn du weißt, dass du durch sie mit einem Freundeskreis gesegnet bist, der wirklich nur aus Herzensmenschen besteht.

 

3. Du wirst eine verdammt gute Schauspielerin

 

„Bist du müde?“ Aber nein, ich?? Absolut nicht.

Also offiziell. Inoffiziell liege ich mit den Gedanken gerade wie ein Welpe in meinem Körbchen und lege ein Schläfchen ein. Nur, dass man das nicht sieht. Und man merkt es auch nicht.

Die MS macht dich zu einer wunderbaren Schauspielerin. Sie lässt dich die Zähne zusammen beißen, gute Mine zu bösem Spiel machen. 

Ist das immer hilfreich? Nein, natürlich nicht. Denn oft übertreibst du es mit der Schauspielerei, und am Abend kann man dich dann klitzeklein zusammenfalten und in den Papierkorb schnipsen. Kennst du das Gefühl?

Aber es hat auch gute Seiten: Du lernst, nicht jedem kleinen Impuls nachzugeben. Du wirst selbstischerer und gelassener, da dich und deine Maske so schnell nichts aus der Ruhe bringt. 

Und ja, das ist eine gute Sache! Das ist eine Stärke, wenn du mal genau drüber nachdenkst! Denn während alle anderen impulsiv und wie ein Fähnlein im Wind ihren Alltag bestreiten, kannst du nur amüsiert die Schultern zucken. War was?!?

MS Blog

4. Du lernst deinen Körper sehr gut kennen

 

Den meisten Menschen ohne Beeinträchtigung kommt mit der Zeit ein gewisses Körpergefühl abhanden. Anders sieht es aus, wenn man MS hat.

Viele MSler, ob sie nun erst im „MS akzeptieren Prozess“ sind oder schon lange die Krankheit haben, entwickeln mit der Zeit ein exzellentes Gespür für ihren Körper.

Ist dort ein Kribbeln, ein Ziehen? Hat sich etwas verändert?

Du wirst durch die MS zu einer wahren Meisterin im Gespür für deinen Bewegungsapparat. Kleinste Veränderungen fallen dir sofort auf – positiv wie negativ.

Dieses „In sich hinein fühlen“ ist natürlich nicht nur klasse, es kann auch einfach nur nerven. Ich selbst würde manchmal gerne aufhören, Körperdetektivin zu spielen – kennst du das?

Dennoch finde ich, dass es nicht nur schlecht ist, sondern auch eine Stärke ist, den eigenen Körper so gut zu kennen. Wir setzen uns mehr mit uns selbst auseinander, wir wissen genau was wo und wann passiert in uns drin.

Und das führt uns zum größten und wichtigsten Punkt, um die MS akzeptieren zu können:

 

5. Du lernst, was Dankbarkeit ist

 

Ich versuche jeden Morgen, sobald ich die Augen aufschlage, den Tag mit einem Gefühl der Dankbarkeit zu beginnen. Wofür ich dankbar bin? Dafür, dass ich eine wunderbare Familie, Freunde und einen tollen Freund habe.

Dafür, dass ich mit meinem Blog Menschen helfen kann. 

Und dafür, dass es mir gut geht.

Geht es mir jeden Tag gut? Nein. Natürlich nicht. Und dir? Sicherlich auch nicht.

ABER: Es gibt schlechte Tage, und es gibt bessere Tage. Also sei dankbar für die guten Tage. Sei dankbar für das, was noch funktioniert, und konzentriere dich nicht nur auf das, was gerade nicht mehr rund läuft.

Ich bin mir sicher, dass es vieles gibt wofür du dankbar sein kannst – nimm dir doch jetzt gleich mal fünf Minuten Zeit, um diese Dinge aufzuschreiben.

 

Tut gut, oder?

 

Wenn du mit dem MS akzeptieren anfängst, dann merkst du, welchen Wert Gesundheit hat. Sie ist das wichtigste überhaupt – sie ist die Basis, auf der die anderen Dinge unseres Lebens gebaut sind. Wankt sie, dann wankt das ganze Leben mit ihr.

Also musst du dein Fundament ausbauen. Und das schaffst du mit der Stärke, die es mit sich bringt, die MS akzeptieren zu können.

Denk dran: Du bist nicht anders als all die wunderbaren Menschen da draußen, die es geschafft haben. Nicht anders als ich.

Die MS akzeptieren zu können ist möglich. Ich glaube an dich.

***

Hast du weitere positive Dinge durch die MS erfahren? Glaubst du, dass du es schaffst, die MS akzeptieren zu können – oder bist du sogar schon an dem Punkt? Dann verrate uns wie du es geschafft hast und hinterlass einen Kommentar!

12

6 comments

  1. Hallo, ich bin dir so dankbar für deine Worte. Sie helfen immer ein Stück weiter, leider ist heute ein grauer Tag mit Schmerzen und viel Tränen, zweifeln an der Wirkung der copaxone Spritzen. Und da sitze ich an meinem Handy und erhalte eine Benachrichtigung über eine neue Mail und diese lässt mich schmunzeln und aufatmen, chronisch fabelhaft. Ist heute wie ein Wink mit dem Zaunpfahl, ich lass mich von diesem Miststück nicht unterkriegen. Danke ich setze jetzt mein Krönchen auf und weiter geht’s. LG Kerstin

  2. Liebe Samira,
    Es ist wunderbar, dass du es schaffst all das in Worte zu fassen.
    Ich genieße gerade selbst meinen ersten Thailand Urlaub und das gerade mal 3 Monate nach der Diagnose MS. Akzeptiert habe ich das ganze bestimmt noch nicht, genauso wie Kerstin muss ich gerade an der Wirkung der Copaxone Spritzen zweifeln. Mein letztes schwarzes Loch, der 2. Schub, wieder Doppelbilder und das ausgerechnet mitten in Bangkok. Da denkt man wirklich warum?
    Aber wie du es geschrieben hast, sei dankbar für das was funktioniert. Und das war ich… Zumindest konnte ich, wenn auch etwas unsicherer,all die Dinge erleben die ich wollte. Danke dir für deine immer wieder aufmunternden Worte… Krone richten, weiter geht’s. So ist es… Mein Glück, auch ohne Kortison gingen die Sehstörungen nach einer guten Woche zurück und ich kann den restlichen Urlaub noch ein wenig mehr genießen.
    Ich bin der festen Überzeugung, dass dir MS uns alle ein Stück stärker machen kann, wenn wir daran glauben. Ein harter Weg, aber ich folge dir…
    Lieben Dank
    Lina

  3. Hey, danke für Deine tollen, aufmunternden Worte! Ich habe die Diagnose am 31.03.2017 erhalten und befinde mich zwischen Tränen, Wut & Hoffnung auf dem langen Weg zur Akzeptanz. Ganz schön schwierig. Aber aufgeben ist ja keine Option und Dein Blog hilft mir auch ein stückweit dabei, den Mut nicht zu verlieren! Liebe Grüße

  4. Das hast du richtig schön geschrieben. Da ich mit dem MistStück schon über zwanzig Jahre lebe, habe ich es inzwischen auch schon akzeptiert.
    Die Hauptsache ist wirklich gute Menschen in der Umgebung zu haben und dankbar zu sein.
    Lieben Gruß

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *