Rauchen bei MS – Wie ich von den Zigaretten loskam, und warum du das auch kannst!

Lange habe ich diesen Artikel vor mir hergeschoben – wohl auch, weil ich mal wieder selbst lange als schlechtes Beispiel voran gegangen bin.

Doch den Beginn des neuen Jahres möchte ich heute nutzen, um mit dir über das Rauchen bei MS zu sprechen. Und darüber, wie ich es geschafft habe aufzuhören – und wie du es auch kannst (wenn du es denn willst).

 

Doch lass uns von vorne beginnen.

 

Ich selbst habe geraucht, seit ich 14 bin.  Jap. Ich bin damals in die klassische „Coolness“ Falle getreten: Alle rauchen, Samira will Freunde finden und beliebt sein – Samira fängt an zu rauchen.

Es dauerte nich lange, und die Dinger fingen an, mir zu schmecken.

Immer wieder gab es Leute um mich herum, die sagten: „Ach, hätte ich nur nie angefangen! Ich hasse das Rauchen, es ist scheußlich!“. Ich rollte dann mit den Augen: Wenn sie es so hassten, warum hörten sie nicht einfach auf? Ich selbst “liebte” das Rauchen, deswegen war diese Frage für mich nicht relevant. Aber wenn man es nicht gerne tut, warum tut man es dann?

Das waren meine Gedankengänge. Denn eines möchte ich vorab klarstellen:

 

Ich gehörte immer zu den Personen, die „gerne rauchen“.

 

Ich liebte meine Zigarette: Zum Kaffee, morgens nach dem aufstehen, nach dem Essen, wenn ich mit Freunden zusammensaß, zum Bierchen, nachmittags im Park, die erste nach einem Langstreckenflug, Zigaretten nach dem Sex, Zigaretten wenn ich schrieb… Ja, eigentlich immer, wenn man es mal genau nimmt.

Kurz und gut: Ich rauchte teilweise fast eine Schachtel am Tag. Und ich fand es noch nicht mal schlimm, sondern war der festen Überzeugung, dass ich die Zigaretten sehr genoss, und dass sie mir Gelassenheit, Selbstsicherheit und Lebensqualität gaben.

In meinen Gedanken war ich die verruchte Femme Fatal, die lässig Rauch aus dem Mundwinkel bließ. In der Realität stanken meine Hände, meine Haare, meine Kleidung. Aber hey – ich rauche einfach gerne! Oder?

Rauchen bei MS

 

Rauchen mit MS – und plötzlich tausend Fragen

 

Das erste Mal, dass ich mich tatsächlich mit dem Rauchen auseinandersetzte, beziehungsweise mit dem Fakt dass ich „aus versehen“ doch nicht mit achtzehn (meine erste Deadline) oder mit zwanzig (meine zweite Deadline) aufgehört hatte, war, als ich vor fünf Jahren den Verdacht auf eine MS Erkrankung geäußert bekam.

Ich lag im Krankenhaus, und dank der schmerzhaften Lumbalpunktion (ein Nrevenwassertest) konnte ich kaum laufen. Ich konnte also nicht aufstehen, um den Aufzug zu nehmen und zur Raucherinsel zu watscheln, um mir dort, gemeinsam mit den anderen Rauchern in Krankenhausnachthemden, eine anzustecken.

Ich bat also die Krankenschwester um Nikotinpflaster, die ich auch bekam, und dachte damit sei das Kapitel „Rauchen mit MS“ jetzt beendet. Wäre es doch nur so einfach.

Denn kaum konnte ich wieder laufen – na, was tat ich? Genau. Rein in den Aufzug, runter zu Raucherinsel. Die erste Zigarette nach vier Tagen – sie war so, so köstlich. Gleichzeitig musste ich mich ganz schön anstrengen, um weder nach links oder nach rechts zu schauen.

 

Raucherinseln im Krankenhaus – die harte Realität

 

Denn meine Leidensgenossen, die sich keuchend (ich lüge nicht) mit mir um den Aschenbecher drückten, die ließen die Zigarette ein klein wenig schlechter schmecken (dabei liebte ich Zigaretten! Wirklich!). Doch plötzlich sah ich zitterte Hände, Menschen mit Nervenleiden, die aktiv und bewusst mehrmals täglich Nervengift (Nikotin) konsumieren vor mir.

Menschen, die mit ihrer Tropfstange zur Raucherinsel kamen. Menschen im Rollstuhl – fahle Gesichtshaut, schmale, gelbe Finger.

Doch alle rauchten weiter – und ich auch.

 

Wer das Rauchen mit MS aufgeben will, der ist auf sich gestellt

 

Als ich entlassen wurde, versuchte ich noch ein, zwei Tage das Rauchen mit MS einzuschränken. Dann hatte ich einen Termin bei meinem Neurologen, den ich verzweifelt um Aufklärung bat: Ist Rauchen bei MS nun schädlich? Oder nicht? Kann ich nicht bitte bitte einfach weiter rauchen?

Und tatsächlich beruhigte mein Neurologe mich etwas: „Frau Mousa, ich kann ihnen das nicht sagen. Sie müssen es selbst wissen. Ihre MS kann auch, wenn sie jetzt aufhören, einen schweren Verlauf haben – und genauso kann es sein, dass nie wirklich etwas passiert. Ob daran dann das Rauchen oder das Nicht-Rauchen beteiligt ist, das können wir Neurologen nicht sagen“.

Ich atmete auf: Ich musste also meine geliebten Glimmstängel nicht aufgeben. Zumindest konnte ich die Aussage meines Neurologen so hinbiegen, dass es für mich plausibel klang.

Dennoch erkundigte ich mich bei meiner Krankenkasse, ob sie mir nicht Nikotinpflaster zahlen würden – Fehlanzeige. Ich bekam eine Broschüre zu einem Raucherentwöhnungskurs zugeschickt, und das wars. „Bitte, helfen Sie mir aufzuhören – Rauchen bei MS ist schädlich!“ sagte ich am Telefon. Doch ich bekam keine Hilfe.

 

Rauchen bei MS

 

Rauchen bei MS – für mich eine ständige dunkle Wolke, die über mir schwebte

 

Und so ging es weiter: Drei Jahre lang rauchte ich, als wäre nichts gewesen. Wenn ich ein schlechtes Gewissen bekam, dachte ich daran, was mein Neurologe gesagt hatte, und versuchte, alle Studienergebnisse, alle Zeitungsartikel, die Warnhinweise auf den Zigarettenschachteln und die Warnung meiner Ärzte in der MS Ambulanz der Charité zu ignorieren.

„Ich habe schon die Krankheit – jetzt werde ich nicht auch noch meinen letzten Lebensgenuss aufgeben!“ Dachte ich mir. Und qualmte stur weiter. 

Und dennoch: Irgendwo ganz versteckt in meinem Unterbewusstsein, da regte sich so etwas wie ein Schuldgefühl. „Du weißt, das Rauchen schädlich ist – sowieso, und vor allem Rauchen bei MS“. Es war eine leise Stimme, doch sie wurde lauter und lauter. Das ganze dauerte übrigens drei Jahre – mitnichten habe ich sofort aufgehört! Ich “liebte” das Rauchen einfach so sehr, dass ich wohl einen Rollstuhl in Kauf genommen hätte.

 

Warte – WIRKLICH? Würde ich mich selbst in den Rollstuhl rauchen???

 

Nein. Irgendwann, da konnte ich es nicht mehr ignorieren. Die Stimmen in mir schrien mich an: „Du bist bescheuert, hör auf mit dem Mist! Hör auf zu Rauchen!“.

Und endlich wachte ich auf. Ich wusste: Ich würde nicht mehr täglich absichtlich Nervengift einatmen, wenn ich unter einer Nervenkrankheit litt. 

Ich wusste auch, dass es nicht ganz einfach werden würde – aber noch härter stelle ich mir ein Leben mit einem sekundär progedienten Verlauf meiner MS vor.

 

Rauchen bei MS? Auch du kannst aufhören, wenn du das willst!

 

(Und wenn nicht: Keine Angst, ich zwinge hier niemanden 😉 )

Also, wie habe ich es geschafft, das Rauchen bei MS aufzugeben?

1. Ich habe so lange gewartet und weiter geraucht, bis ich WIRKLICH aufhören wollte. Und ja, der Punkt kam, denn:

2. Ich habe mich gezielt als einzige Raucherin immer mehr unter Nichtrauchern aufgehalten. Das funktioniert prima – man fühlt sich so richtig schön schäbig, wenn man die einzig chronisch kranke Person ist, und dazu die einzige, die ständig raus rennt, um sich ihr Gift reinzufahren. Da wird einem erstmal klar, wie paradox das ganze ist!

 

Und mein dritter und wichtigster Tipp:

 

3. Ich habe das Buch „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr gelesen.

Ich sage es dir: Dieses Buch, es ist magisch. Kein Quatsch. Es funktioniert einfach – und ich bin dem Autor zu großem Dank verpflichtet.

Wenn du jetzt noch nicht aufhören willst,  sondern nur mit dem Gedanken spielst, dann kann ich dir nur empfehlen, es trotzdem mal zu lesen – denn es „entwäscht“ einem quasi das Hirn. Danach, glaub mir, danach WILLST du aufhören.

Denn wir merken gar nicht, dass Zigaretten nichts für uns tun.

Das Rauchen schafft lediglich eine Sucht, die dazu führt, dass wir rauchen müssen, um die Entzugssymtome zu lindern. Deswegen entspannen uns Zigaretten, deswegen schmecken sie uns. Ohne Nikotinabhängigkeit und vor allem eine große Gehirnwäsche würden wir niemals mehrmals täglich Gift zu uns nehmen!

Um es mit den Worten von Allen Carr zu sagen: „Rauchen ist, als würden wir den ganzen Tag mit dem Kopf gegen eine Wand rennen – nur weil es so schön ist, wenn wir ab und an fünf Minuten damit aufhören können“.

 

Und so rauchte ich, als ich nach 600 Kilometern zu Fuß auf dem Jakobsweg in Santiago de Compostela ankam, meine letzte Zigarette.

 

Vermisse ich das Rauchen? Wenn das passiert, dann ist es nach einer Minute wieder vorbei, und dann freue ich mich, dass ich mich nicht mehr selbst zu vergiften brauche.

Geht es mir besser? Ich hatte seitdem deutlich weniger Erkältungen, meine Nase (die sonst konstant lief) bekam sich endlich wieder ein, ich sehe weniger Doppelbilder, ich treibe mehr Sport….

Würde ich wieder Rauchen? Um nichts in der Welt. Klar, ich darf nicht wieder in die Falle tappen, und ich weiß, vier Monate, das ist noch keine lange Zeit. Aber ich sehe um ehrlich zu sein kaum eine Gefahr für mich.

 

Denn das Rauchen bei MS, das lässt ständig einen dunklen Schatten über dir schweben.

 

Was, wenn diese Zigarette die ist, die mich in den Rollstuhl schickt? Die den nächsten Schub auslöst?

Die Antwort, wie man diese Gedanken weg bekommt: Hör auf zu Rauchen. Viele, schwere, langjährige Raucher haben es geschafft – du kannst es auch. 

Wenn du es willst. Ich hoffe, dieser Artikel hat dir dabei etwas geholfen.

Das packst du!!

 

*** 

Was ist deine Meinung zum Rauchen bei MS? Rauchst du selbst und scherst dich keinen Deut darum, oder hast du sogar auch das Rauchen mit MS aufgegeben? Wie hast du es geschafft? Lass uns drüber sprechen – hinterlass mir gerne einen Kommentar!

 

 

 

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4 comments

  1. Ich rauche tatsächlich gerne, zwar nicht so viel ( 3-4 Stück am Tag) aber trotzdem. ..
    Es gibt dann als mama mal 5 min. pause nur für mich… ( ja ich rauche nur wenn sie es NICHT SEHEN)
    Noch hat es nicht klick gemacht. ..
    Man trifft ja auch im langweiligsten kkh die interessantesten leute beim schmöken..

    Liebste Grüße und allen viel Erfolg beim aufhören. ..sei allen von herzen gegönnt

  2. Hallo,
    ich rauche eine Zigarette täglich. Meistens abends, wenn alles erledigt ist und ich zur Ruhe komme.
    Ich habe immer ein schlechtes Gewissen dabei. Aber ans Aufhören habe ich noch nicht gedacht.
    Ich bin jetzt 50 Jahre alt. Meine MS wurde erst letztes Jahr festgestellt. Das ist recht spät. Es kann sein, dass ich als Kind schon MS hatte, es aber nicht festgestellt wurde.
    Ich werde es erstmal beibehalten und täglich meine eine Zigarette rauchen. Vielleicht gebe ich es irgendwann auf.
    Im Moment ist für mich ein Genuss nach getaner Arbeit eine zu rauchen.

    Liebe Grüße
    Angelika

  3. Hallo, ich habe nach meiner Diagnose der MS tatsächlich aufgehört zu rauchen. Es war nicht einfach und es ist/war ein Kampf. Es ist und bleibt ein Nervengift, welches sicherlich nicht gerade dem Körper gut tut. Ich habe diese Entscheidung nicht bereut. Jeder muss aber selber entscheiden, wie er mit dem Rauchen umgeht. Jeder, der aufhören will, wünsche ich viel Erfolg. Viele Grüße

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