Mein Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht – 1 Jahr ist rum

Auf meinen Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht habe ich dich langer warten lassen, da ich mir meiner Sache wirklich erst zu 100% sicher sein wollte, bevor ich ein erstes Fazit nach einem Jahr ziehe.

Seit ziemlich genau einem Jahr mache ich nun diese nicht anerkannte, ärztlich begleitete hochdosierte Vitamin D Therapie, und es wird Zeit für einen Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht. Wieso ich mich dafür entschieden habe, das Coimbra Protokoll zu machen, erfährst du in diesem Podcast und in diesem Blogartikel.

Weiterführende Infos zum Coimbra Protokoll erhältst du auf der Website.

Im Coimbra Protokoll nimmt man statt einer Basistherapie (manche auf eigenen Wunsch auf zusätzlich zur Basistherapie) eine individuell auf einen zugeschnittene Kombination aus verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln.

Typisch sind dabei Magnesium, Omega-3, Vitamin b12 und natürlich der „Superstar“, das Vitamin D. Die Dosen variieren zwischen 40.000 und bis zu 220.000. Pflichtprogramm sind zudem Sport zur Erhaltung der Knochendichte, eine calciumarme Diät zum Schutz der Nieren und min.d 2,5l calciumarmes Wasser am Tag trinken. Eine Psychotherapie, in der Stressbewältigung erlernt wird, wird dringend empfohlen. Die anderen Dinge sind wie gesagt nicht optional, sondern VORRAUSSETZUNG für das Protokoll.

Hier möchte ich auch gleich zu Beginn erwähnen, dass das Protokoll NUR mit einem/r ausgebildeten Arzt/Ärztin durchgeführt werden darf (die Liste findest du hier) !! Das kann sonst mächtig in die Hose gehen und bis hin zu Nierenversagen und Dialysepflicht führen. Also bitte: Auf keinen Fall versuchen, das Coimbra Protokoll auf eigene Faust zu machen. Du riskierst damit schwere gesundheitliche Schäden.

So, und jetzt nehm ich den erhobenen Zeigefinger wieder runter und starte mit meinem Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht.

Jede Schachtel enthält die Kapseln, die ich an einem Tag schlucke

Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht, 1. Teil: Vor der Umstellung

Ich begann das Protokoll Ende Mai 2018. Damals plagte mich noch immer häufiger Schwindel, der über mich schwappte. Immer wenn sich eine belastende Situation ergab, wenn ich erschöpft war, wenn ich weder ein noch aus wusste vor Druck und Stress kamen die Symptome: Schwindel, Taubheit im linken Arm und im Linken Bein. An manchen Tagen schaffte ich es vor Unwohlsein kaum aus dem Bett. Es fühlte sich dann an, als wäre ich „nur mit einem halben Körper“ aufgewacht. 

Ich sorgte mich ständig darum, wie es weitergehen würde.

Wann der nächste Schub kommt und wie stark er wird. Ich hatte große Angst vor einer fortschreitenden Behinderung, auch wenn ich natürlich immer versuche, positiv zu bleiben und den Teufel nicht an die Wand zu machen. Aber ich sag mal so: Du kennst das. Es klappt mal besser… und mal so ganz und gar nicht. 

Meine Therapie machte nicht, dass ich unbeschwert mit ihr leben konnte (damals nahm ich Tecfidera). Und so beschloss ich, dieses so viel versprechen klingende Coimbra Protokoll einfach mal auszuprobieren. Trotz der finanziellen Belastung (die Krankenkasse zahlt die Therapie nicht!!) und trotz all der Umstellungen, die das Protokoll in mein Leben bringen würde.

Ich bekam einen Termin bei einem ausgebildeten Coimbra Protokoll Arzt und legte los. 

MS Arzt
MS Blog

Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht, 2. Teil: Die ersten drei Monate

Die ersten drei Monate im Protokoll waren nicht leicht für mich. Ich weiß nicht genau woran es lag, aber es ging in ein dunkles, tiefes Loch. Ich hatte das Gefühl, extrem durch die Ernährungsumstellung, die Kosten, den verpflichtenden Sport und das Verbot von calciumhaltigen Berliner Leitungswasser (wegen eines generell hohen Calciumwerts im Blut – gilt nicht für jeden!) eingeschränkt zu werden. Plötzlich, so kam es mir vor, musste ich auf so viel achten: Mit welchem Wasser wird mein Kaffee im Restaurant zubereitet? Wie viel mg Calcium habe ich heute schon gegessen? Habe ich genug getrunken, reicht der Sport den ich treibe aus? 

Auch seelisch ging es mir nicht sonderlich gut.

Es war, als risse das Coimbra Protokoll irgendwie all meine selbst gebauten Mauern ein. Es überschwemmte mich und etwa einen Monat lang ging es mir seelisch unglaublich schlecht. Die Einschränkungen in meinem Alltag durch das Protokoll kamen noch oben drauf, alles kam mir sinnlos vor. Auch erlitt ich viele Hautprobleme, vor allem hatte ich mit Abszessen zu kämpfen.

Ich rief meinen Arzt an, der sich schon fast freute: „Frau Mousa, es ist ein gutes Zeichen, dass sie Abszesse haben. Das heißt, ihr Körper lässt gerade eine ganze Menge Dreck und Emotionen raus!“. So wie er das erklärte, machte auch meine gedrückte Stimmung plötzlich viel mehr Sinn: Klar, der „Dreck“, die Gifte, die Reste meiner Basistherapie… das alles muss ja erstmal raus! Kein Wunder also, dass es mir nicht so gut ging in dieser Zeit. 

Ich hielt die Phase durch. Gesundheitlich spürte ich kaum Veränderungen, außer ein wenig mehr Energie und dass mein Körper sich generell „stabil“ anfühle (ganz im Gegensatz zu meinem Geist).

MS Symptome
Pic by pexels.com

Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht, 3. Teil: Das folgende halbe Jahr

Im September ging es für mich auf die nächste Etappe rund um den Globus. Ich arbeite mit dem Modell der Digitalen Nomadin, das heißt, ich habe mir mit diesem Blog, meinem Büchern und Jobs als freie Texterin ein Geschäftsmodell generiert, das ich von überall auf der Welt aus betreiben kann. Es ist ja egal, ob ich meine Bücher in Berlin oder in Thailand schreibe – aber in Thailand lebt es sich natürlich viel viel günstiger, vor allem wenn man lange Zeit an einem Ort verbirgt.

Ich düste also los mit einem Rücksack voller Nahrungsergänzungsmittel.

Davor hatte ich mich informiert und mit der Website iHerb eine gute Quelle gefunden, um mir die Nahrungsergänzungsmittel nach Thailand schicken zu lassen. IHerb ist noch etwas günstiger als Amazon, die auch ja auch überall hin liefern. Es würde also keine Probleme mit dem Nachschub geben.

Zu Anfang meiner Weltreise stand ein sehr stressiger Job als Resortmanagerin, in dem es mir körperlich sehr schlecht ging. Ich hatte starke Symptome, war ständig verspannt und die linke Seite war taub. Was aber komplett verschwunden war, war der Schwindel! Den hatte ich schon seit etwa vier Monaten nicht mehr.

Und das erste mal fing ich hier an, wirklich so zu handeln, wie es meinem Körper und meinem Nervensystem am besten bekommt:

Ich kündigte den Job nach nur einem Monat wieder. Ich hatte nämlich gelernt, dass Stress WIRKLICH Gift für mich ist und dass ich WIRKLICH daran arbeiten muss, mich aus stressigen, belastenden Situationen – ob jetzt körperlicher oder seelischer Natur – zu lösen. Es ist allein MEINE Verantwortung, auf mich aufzupassen. Das war, als ginge mir ein Licht auf!

Danach ging es gesundheitlich stetig bergauf. Ich merkte das gar nicht wirklich, weil es so schleichend passierte. Aber als ich im Dezember mit meinem Freund zwei Stunden durch die brütende Mittagshitze der thailändischen Insel gelaufen war, um eine Unterkunft zu suchen, und dabei nicht schlapp gemacht hatte, da wies er mich darauf hin: „Wow, Samira, das konntest du schon so lange nicht mehr!“. Ich wurde immer zuversichtlicher. Das Protokoll schien anzuschlagen, auch wenn ich für meine Reise die Dosis des Vitamin D reduziert hatte (zur Sicherheit).

Ich litt immer seltener an Taubheitsgefühlen, Schwindel war wie gesagt komplett weg. Brainfog auch, ich konnte mich in Gesprächen wieder viel besser auf mein gegenüber konzentrieren.

Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht

Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht, 4. Teil: Die letzten drei Monate

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland erhöhte ich die Dosis im März wieder etwas. Auch ist es nun so, dass ich mir selbst einfach mehr über den Weg traue. In einer Psychotherapie lerne ich, wie ich mein Nervensystem wieder herunterfahren kann, wenn es durch äußeren oder inneren Stress in Wallung gerät.

Ich habe gelernt, dass ich nicht immer 150% geben muss. Und dass sie Welt davon ganz bestimmt nicht untergeht. Es gibt immer noch zwei oder drei andere Möglichkeiten, einer Situation zu begegnen oder ein Problem zu lösen.

Ich weiß nun also, dass ich mich gar nicht mehr in solche Situationen bringe, in denen man denkt „Also wenn ich jetzt einen Schub kriege, würd es mich echt nicht wundern“. Diese Situationen kommen tatsächlich nicht mehr vor, obwohl ich mich komplett Selbstständig gemacht habe in der Zeit und teilweise, um mir die Therapie und das Leben in Deutschland leisten zu können mit 3-4 Jobs jongliere.

Ich habe keine Angst mehr vor dem, was ich mir antun kann.

Und deswegen habe ich auch viel weniger Angst vor dem, was mein Körper mir antun wird. Ich weiß ja, dass ich jetzt gut auf ihn aufpasse! Ich treibe weiterhin Sport. Mittlerweile esse ich wieder ab und an hochwertiges Fleisch, weil ich fast ohne Nüsse und Milchprodukte einfach kaum noch etwas zu essen fand. So komme ich nun gut mit der Ernährung zurecht.

Auch immer ein eigenes, calciumarmes Wasser dabeizuhaben habe ich mir einfach angewöhnt. Ab und an trinke ich auch mal ein Glas Leitungswasser, oder eben einen Tee im Restaurant, der natürlich auch mit Leitungswasser zubereitet wird. Das kann mein Calciumwert zum Glück ab.

Meine Blutwerte lasse ich etwa alle 2-3 Monate kontrollieren, um die Hypercalcämie, also eine Calciumvergiftung der Nieren frühzeitig zu erkennen. Ich hatte in dem ganzen Jahr nur einmal erhöhte Calciumwerte, sonst krebse ich immer an der oberen Grenze herum. Alle meine Werte sind Perfekt, den Nieren geht es gut, allen anderen Organen auch.

Aber das beste: Ich habe momentan eigentlich KEINE Symptome mehr, zumindest keine Einschränkungen mehr durch sie.

Echt jetzt. Ich weiß, das klingt unglaublich. Und ja, die Symptome kommen manchmal kurz auf wenn ich Stress oder Belastung verspüre. Aber dann löse ich mich eben aus dieser Situation. Ich habe keinen Schwindel mehr, vielleicht alle zwei Monate mal etwas Fatigue. Ich habe nur dann Verspannungen und Taubheitsgefühle, wenn ich zu wenig schlafe. Ich habe ab und an mal ein kleines Stechen im Sehnerv… aber hey! Das ist doch super, oder? 

Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht
Pic by Eddy Kruse

Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht – Mein Fazit & Schlusswort

Ich habe mit dem Coimbra Protokoll die Therapie gefunden, die (momentan, und hoffentlich langfristig) für mich sehr gut funktioniert. Sie ist eine anspruchsvolle und finanziell belastende Therapie, aber das ist es mir wert. Dann gebe ich lieber weniger Geld für Konsumgüter aus, die ich eh nicht brauche. Dann arbeite ich lieber mehr. Mein Luxus ist jetzt meine Gesundheit! 

Meine Dosis wurde nun noch mal erhöht und ich hoffe, dass sich dadurch vielleicht sogar noch mehr bessert. Und dann ich dann vor dem Auftreten neuer Schübe endgültig geschützt bin. Aber auch wenn es so bleibt wie jetzt, reicht mir das schon. 

In dem Jahr, das mein Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht beschreibt, gab es auch viele Menschen, bei denen das Protokoll leider nicht funktioniert hat. Menschen, deren Verlauf der MS sich sogar noch verschlechtert hat. Manche brachen frustriert und enttäuscht ab. Andere verzeichneten ähnlich tolle Fortschritte wie ich. Was bleibt also zu sagen?

Das Coimbra Protokoll ist kein Wundermittel, keine Heilung und keine Option für jeden Menschen.

Es wird bei dir anders sein als bei mir. Es erfordert ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und man kann es nicht “nebenbei” machen. Der Erfolg der Therapie ist so unterschiedlich wie unsere Verläufe und alle Menschen generell. Ich möchte also keine Empfehlung dafür oder dagegen aussprechen! Ich möchte dich mit diesem Artikel lediglich darüber informieren, wie es bei mir ist. Ich hoffe, du fandest ihn informativ.

***

Hast du auch einen Coimbra Protokoll Erfahrungsbericht, den du mit uns teilen willst? Interessiert du dich für das Protokoll oder ist dir das alles nix?

Lass es mich wissen, hinterlass gerne einen Kommentar!

15

6 comments

  1. Liebe Samira,

    Herzlichen Glückwunsch, dass es bei dir so anschlägt! Da freue ich mich wirklich mit dir!

    Durch deinen Gastbeitrag von Alex vor 1,5 Jahren bin ich durch dich auch zum Coimbraprotokoll gekommen und habe eine ähnliche Erfolgsstory wie du! Weil ich es so schnell nach der Diagnose angefangen habe (5 Monate danach) ging alles bei mir etwas schneller und die Symptome sind ganz weg 😊 bei mir ist nur noch die schnellere Erschöpfung geblieben (oder merke ich etwa nur, dass ich einen ganz normalen Körper habe und höre auf ihn, wenn ich k. o. bin?).

    Vielen Dank an dich und happy healing!
    Alexia

  2. Samira,

    Du warst meine Inspiration und dein Erfahrungsbericht gibt mir weiter Rückenwind.
    Durch Dich bin ich auf das CP gestoßen und bin seit 1 Monat auch im CP, begleitet in B von Dr. Zimmer.
    Ich bin zuversichtlich und Dir sehr dankbar.

    Herzliche Grüße

    1. Ach wunderbar liebe Karin, das freut mich sehr. Ich will wie gesagt niemanden davon überzeugen oder abhalten (das darf ich auch gar nicht). Aber es freut mich, dass ich dich zum CP informieren konnte und du für dich einen guten Weg gefunden hast damit! Alles gute weiterhin 🙂

    2. Hallo Karin,
      ich fange gerade erst an mit dem CP und werrde auch von Herrn Dr. Zimmer betreut. Diese positiven Texte inspirieren mich auch, denn es ist eine große Umstellung und ganz schön schwer gegen alle Widerstände.
      Ich hätte gerne einen Austauch mit Dir, wo wir doch beide in Berlin sind bei Herrn Dr.Zimmer, was meinst du?
      Grüße Jutta
      Schreib mir doch bitte : jutta.paass@posteo.de

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.