7 Survival-Tipps für akuten Stress bei MS

Stress bei MS – ein Thema, das von mir schon öfters behandelt wurde, zum Beispiel in diesem Podcast. Und zwar weil es so verdammt wichtig ist!

Es wurde vermehrt nachgewiesen, dass Stress dazu beitragen kann, dass die MS sich verschlimmert. Auch wird oft davon berichtet, dass erste MS Schübe oder auch neue MS Schübe bei bereits erkrankten Menschen in Zusammenhang mit extrem belastenden Situationen auftraten.

Bei mir war das nicht anders: Mein erster Schub (2013) trat eine Woche nach der (lautstarken) Trennung von meinem damaligen Partner auf, zudem steckte ich damals mitten in der Prüfungsphase zur Eventmanagerin. 

Stress bei MS ist Gift, da lässt sich nichts dran rütteln.

Und sicherlich hast du das auch schon oft hier und dort gelesen. Vielleicht macht es dich sogar ein bisschen wütend, denn hey – das Leben ist nunmal nicht immer nur Pommes und Disko! Manchmal ist es einfach stressig. Manchmal müssen wir uns ungeheures abverlangen. Manchmal heißt es: Arsch zusammenkneifen und durch.

Wichtig ist es, zu erkennen, wann eine solche Situation vorliegt, und wann sie sich vermeiden lässt. Denn unser Körper schüttet oft eine ganze Menge Stresshormone schon dann aus, wenn eigentlich noch gar nichts passiert ist. Auf dem Weg dahin zu erkennen, woher den Stress bei MS kommt, kann eine Psychotherapie sehr hilfreich sein.

Die Tipps die ich hier aufführe sind vor allem für wirklich akute Notfälle gedacht, wenn du schon mitten drin steckst in der Stressschleuder, oder wenn eine stressige Woche ansteht, die sich einfach nicht anders planen ließ.

Das ist nämlich vorab schon mal sehr wichtig: Planung. VORAB! Damit es nicht dazu kommt. Sollte es doch mal passieren oder eben unvermeidbar sein, findest du hier meine – gerade selbst erprobte – Liste mit 7 Survival Tipps für Stress bei MS.

MS und Single

1. Bereite dich mental darauf vor

Wenn du schon kommen siehst, dass die nächsten Tage wirklich hardcore werden, dann nimm dir einen kurzen Augenblick (komm, die fünf Minuten schaufelst du dir frei!) für dich. Setz dich hin, schließe die Augen, atme tief ein und aus. Versuche, mit deinem Körper in Verbindung zu kommen. Rede mit deinem Körper – das kannst du laut oder auch nur in Gedanken machen. Sag deinem Körper dass es dir leid tut, dass es jetzt so stressig wird, aber dass es nicht anders ging. Versprich deinem Körper dass du ihn nicht zusätzlich belasten wirst. Versprich ihm dass du auf ihn aufpassen wirst. Versprich ihm, dass danach genug Erholungszeit eingeplant ist.

Ja, das klingt esoterisch, aber für mich hat sich eine solche Herangehensweise – nämlich als Team mit meinem Körper – sehr bewährt.

2. Lass den Haushalt für die Zeit mal schleifen

Es fällt mir wenig ein, was nicht eine Woche mal pausieren könnte. Kommt der Stress aus dem beruflichen Bereich, dann sorge dafür, dass du zu Hause wenig bis gar nichts tun musst. Für Singles oder kinderlose ist das einfacher: Die Wäsche mal Wäsche sein lassen, das Geschirr sich eben mal stapeln lassen, mal eine Woche nicht staubsaugen oder Wischen. Meine Güte. Dann ist das eben so!

Stress bei MS
Pic by Retha Ferguson via pexels.com

Ja, ich habe es auch lieber ordentlich und lege großen Wert auf Sauberkeit in meinem Haushalt. Aber wenn eine Knallerwoche ansteht, dann weiß ich, dass ich meine Gesundheit priorisieren muss. Natürlich kann es schwierig sein, sich in dem Chaos überhaupt wohlfühlen (zumindest kann ich das nicht). Es lohnt sich aber herauszufinden, was der minimale Aufwand ist den du betreiben kannst um dich gleichzeitig noch wohlfühlen zu können.

3. Sag alles andere ab, was dich irgendwie stresst. Und ich meine: ALLES.

Ja, auch den Sport vor der Arbeit wenn es nicht dein geliebtes Yin Yoga ist. Ja, auch das Treffen mit deiner besten Freundin. Und bitte auch den Arzttermin wenn er nicht dringend ist.

In diesen Tagen ist es wichtig dass nicht zusätzlicher Zeitdruck aufgebaut wird. Also verschiebe, plane um, sage ab. Gönn dir die Freiheit, dich nach der Anstrengung einfach nur ins Bett zu legen. Auch wenn es erst 18 Uhr ist. Du bist krank. Du darfst das. Das ist genau das richtige für dich und deinen Körper. Der will nämlich Ruhe.

4. Versuche dich nicht über Koffein, Alkohol oder sonstige Substanzen zu regulieren

Oh, ich weiß, es ist so verführerisch. Vier Tassen Kaffee, dann klappt das mit dem Hammerprojekt. Dann um 21.00 endlich nach Hause und mit einem Glas Wein vor dem Fernseher versacken und einfach den Schalter im Kopf ausmachen. Echt, ich kenne das. Es ist aber gerade in solchen Zeiten so wichtig, deinen Körper nicht mit Stimulanzien oder Downern zu malträtieren. Das schwächt ihn zusätzlich.

Außerdem sorgen diese Substanzen dafür, dass du deinen Körper nicht mehr richtig spürst. Sie überdecken deine Intuition, die dir sagt, was du eigentlich brauchst. Klar, wenn der Stress bei MS in solchen Hammerperioden auftritt, dann schreit dein Körper nach Ruhe. Die kriegt er einfach nicht in dem Umfang, in dem er es braucht. Aber es ist dennoch okay, auch das zu spüren. Es muss nicht immer alles weggemacht werden.

MS Blog
by pexels.com

5. Schalte dein Handy aus und reduziere Social Media

Ich selbst gehe in solchen Zeiten nach Feierabend nicht mehr ans Handy. Und damit basta. Es gibt da einen ganz geilen Modus, den Flugmodus nämlich, und der wird angemacht sobald ich nach Hause komme. Die Welt, die wird sich schon weiterdrehen ohne dich und ohne mich. Das tut sie ja doch immer.

6. Hole dir Hilfe wenn du akut Stress bei MS hast

Vor allem die unter uns, die Eltern sind, aber auch solche die körperlich eingeschränkt sind, sollten und dürfen in dieser Zeit alle Hilfe annehmen, die sie kriegen können. Frag die Nachbarin, Großeltern oder Freunde, ob dein Kind dort übernachten kann. Lass dich beim Einkauf unterstützen. Bestelle dir Essen oder greif Notfalls zu Tiefkühlkost, wenn es wirklich nicht anders geht. Das darfst du!

Frage aktiv nach Hilfe und sage den Menschen die du ansprichst konkret, wie sie dich unterstützen können. Vergiss nicht dass wir nach außen hin meistens unabhängig und stark wirken wollen und uns das erstaunlich gut gelingt. Jetzt ist es Zeit, auch mal krank sein zu dürfen, zumindest wenn es darum geht Unterstützung zu bekommen.

Stress bei MS
Pic by Min An via pexels.com

7. Lege gegen den Stress bei MS Pausen, Nickerchen und Ruhephasen ein so oft es geht

Wenn krasse Projekte anstehen, dann kommt es schon mal vor dass man vergisst zu essen oder das aufs-Klo-gehen so lange anhält (wenn man kann) bis die Blase fast platzt. Wenn man dann mal was isst tut man das vor dem Laptop oder mit dem Smartphone in der Hand. Erkennst du dich wieder? Ich auf jeden Fall. 

Natürlich kann ich, wenn ich wirklich viel leisten muss, nicht im konstanten Chillmodus bleiben. Es ist aber wichtig und auch gar nicht so schwer, zwischendurch mal einen kleinen Spaziergang um den Block zu Macken. Oder zur Mittagspause kein Handy, kein Buch, kein gar nichts mitzunehmen. Einfach sitzen und Essen. Einfach mal kurz sein. 

Wenn möglich, sind kurze Nickerchen von etwa 20 Minuten, also so genannte Powenaps, auch wirklich eine gute Lösung für viele Menschen. Und wenn nichts davon geht: Setz dich ruhig hin, schließe die Augen, atme. Fühle in dich hinein, deine Füße, deine Beine, Bauch, Arme, Kopf… Komm wieder zurück in deinen Körper und in deine Achtsamkeit. Das wirkt wirklich Wunder.

***
Ich hoffe dass du mit diesen Tipps die nächste krasse Phase von Stress bei MS gut überstehst. Hast du auch noch Vorschläge? Was hilft bei dir in solchen Hammerzeiten gut? Erzähl mir in einem Kommentar davon!

8 comments

  1. Ohja, großartiger Tipp, allen Stress abzusagen… wenn Dir dann das Finanzamt Deinen Betrieb plattgemacht, weil Du nicht mehr so viel Steuern zahlen kannst, wie das Amt gern hätte. Und Du dann vor Deinen Mitarbeitern stehst um ihnen zu erklären, das Du sie leider entlassen musst, weil Unternehmer in Deutschland nicht krank dein dürfen…

    1. Ich bin auch Unternehmerin und chronisch krank. Es ist wirklich unfassbar dass wir eigentlich keine Rechte, keine Absicherung, NICHTS haben!!

    2. Hi Jan, bin nur als Gast hier auf den Seiten, da meiner Tochter vor einer Woche die Diagnose gestellt wurde und ich die Infos zusammen sammele, die ich kriegen kann.
      Aber nur als Tipp by the way: steuern kannst Du gerade jetzt wunderbar Stunden und das Finanzamt vergibt aktuell auch keine Sanktionen bei Verzug. Wenigstens etwas positives aus der Corona Krise. Wollte aber nichts runterspielen und habe den größten Respekt vor allen Selbständigen, die aktuell versuchen bestmöglich die Lage zu meistern! Beste Grüße, Ilona

  2. Sehr schöne Tipps!
    Ich neige dazu, mich auch schon vor den stressigen Phasen nur durch die Erwartung des Stresses selbst unter Druck zu setzen. Durch selbst ausgemalte Horrorszenarien, wie mies die bevorstehende Zeit wird und was dabei alles schief laufen kann.
    Um das zu verhindern habe ich neulich einen schönen Spruch gelernt:
    “Schuhe erst am Wasser ausziehen!”
    Hilft, sich regelmäßig selbst daran zu erinnern. Man muss ja nicht unnötig auf spitze Steine und Seeigel treten 😉

  3. Sehr nützliche Tipps zum Thema.
    Danke dafür…
    Ich fände es super wenn du dich vielleicht mal mit der http://ms-stiftung-trier.de/ in Verbindung setzt.
    Die machen auch tolle Arbeit für Diagnostizierte.
    Transparent und ehrenamtlich.
    Leider wird dieser Stiftung viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
    Gerade unter dem Motto des diesjährigen MS Tages (#Miteinanderstark) fände ich ein Interview o.ä sehr interessant. Wir MS Patienten haben doch alle die gleichen Ziele denke ich.
    Meine Persönlichen sind :
    -bestmöglich mit der Krankheit zu leben. (Dank deinem Blog gelingt mir das hoffentlich schnell. 👍 Meine Diagnose ist erst 1,5 Monate alt)
    -Und das man die Krankheit vielleicht irgendwann stoppen oder vielleicht sogar heilen kann.
    Grüße Sandro

  4. Hey liebe Samira, ich bin auf Deine Seite aufmerksam geworden weil ich Dich in der Sendung Hirschhausens Quiz gesehen habe, tolle Worte hast Du da gesagt. Und Deine Tipps gegen Stress sind super, ich habe das auch erst lernen müssen, zb auch mal etwas abzusagen oder sich mal kurze Momente gönnt auf der Arbeit. Habe seit 2016 die Diagnose und weiß im Nachhinein das ich viel zu viel Dauerstress hatte, beruflich und privat, und viel geraucht als Ausgleich, das hab ich aufgegeben, wobei ich gerne geraucht habe um zu entspannen. MS hat auch gutes bewirkt, klar hätte ich sie lieber nicht, aber man achtet jetzt mehr auf sich, Ernährung, Bewegung, Entspannung…
    LG und alles Gute weiterhin
    Moni

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