2,5 Jahre sind rum – meine Coimbraprotokoll Erfahrungen

Viele haben auf diesen Artikel lange gewartet, und ich möchte euch nun nicht länger auf die Folter spannen. Jedes Jahr gibt es auf meinem Blog ein Update dazu, welche Coimbraprotokoll Erfahrungen ich bisher gemacht habe.

Die weiteren Artikel/Podcasts dazu findest du hier, hier und hier.

Das Coimbraprotokoll ist eine nicht anerkannte, alternative Therapie, die bei Autoimmunkrankheiten angewendet wird. Sie wird streng ärztlich überwacht, darf nur mit einem speziell ausgebildeten Arzt durchgeführt werden und bedarf einer rigoros einzuhaltenden Ernährungsumstellung (calciumarm) und regelmäßigem Sport.

Außerdem wird die Arbeit an der Psyche und der Entwicklung von Methoden zur Stressreduktion als wichtiger Bestandteil angesehen, anders als bei herkömmlichen MS-Therapien. Das fand ich schon damals wirklich bemerkenswert – und finde es auch immernoch.

Ich mache nun seit 2,5 Jahren das Protokoll

Dabei halte ich mich RIGOROS an alle Regeln (nein, keine Ausnahmen!) und treibe mindestens 3 mal die Woche Sport. Außerdem gehe ich immer wenn möglich zu Fuß, wähle Treppen statt Lift und bewege mich einfach generell so viel wie möglich. Die viele Bewegung und Erschütterung der Knochen beim Sport ist wichtig, um die Knochendichte zu erhalten.

Die calciumarme Diät schreibt vor, auf Milchprodukte in jeder Form (außer Butter) komplett zu verzichten. Auch wird davon abgeraten, Nüsse zu essen (je nach persönlichem Calicumspiegel dürfen ab und an kleine Mengen verzehrt werden). Es soll wenn möglich zu calciumarmem Wasser gegriffen werden, und mindestens 2,5 Liter soll man davon am Tag trinken.

Coimbraprotokoll Erfahrungen
So sieht mein Frühstück aus – das ist natürlich Sojajoghurt

Das ist nur ein kurzer Überblick über die Regeln, da ich hier in keinem Fall zu einem Selbstversuch anregen möchte.

Meine Coimbraprotokoll Erfahrungen, die ich hier schildere, diesen lediglich der Information und Unterhaltung. Ich möchte diese Therapie weder empfehlen noch von ihr abraten. Ich werde für diesen Artikel nicht bezahlt (und ich glaube nicht an Chemtrails und eine Weltverschwörung durch Bill Gates).

Ich begann diese Therapie im Juni 2018, war recht skeptisch – man hört ja immer so viel über irgendwelche Wundertherapien – aber auch zuversichtlich. Ich hatte Anfangs ein paar Probleme damit, mich umzustellen, diese waren vor allem mentaler Natur: Plötzlich war ich eine „komplizierte Esserin“ die dieses und jenes nicht mehr zu sich nehmen durfte. Das hat mich damals ganz schön belastet, und ja, das tut es manchmal immernoch. Es ist einfach komisch, dass ich zum Essen bei Freunden mein eigenes Wasser mitbringe oder dass ich, wenn ich einen Kaffee mit Soja- oder Hafermilch im Cafe trinke, fragen muss ob ich auf die Packung schauen kann, um zu verhindern mit Calcium versetzte Milchersatzprodukte in meinem Kaffee landen. 

Aber ich sag mal so: It’s a small price to pay.

Apropos Price: Ich habe in meinen 2,5 Jahren Coimbraprotokoll Erfahrungen eine ganze Menge Geld hinlegen müssen. Und ich habe noch nie so gut Geld investiert wie in diesem – meinem ganz persönlichen! – Fall. Ich zahle die Nahrungsergänzungsmittel, die ich über Amazon beziehe. Ich zahle den Arzt, der mich betreut. Ich zahle alle 3 Monate Blut- und Urinkontrollen. Und trotzdem möchte ich mich nicht beklagen.

Ich bin nicht reich und meine Eltern geben mir kein Geld mehr seit ich 18 bin. Reich geheiratet habe ich auch noch nicht (Plan B – reicher Ehemann, ist klar 😛 ). Ich verzichte dafür einfach auf andere Dinge: ich gehe zum Beispiel nicht shoppen. Ich kaufe keine teuren Pflegeprodukte, ich benutze kaum Schminke, ich habe ein Stück Seife mit dem ich meine Haare und meinen Körper wasche (und bisher hat sich noch keiner drüber beschwert, dass ich ungepflegt aussehe). Ich habe kein Auto sondern fahre Fahrrad, ich habe eine kleine Wohnung und meine Möbel kaufe ich second hand oder finde sie auf der Straße. Die Sache ist ja die: Es kommt darauf an, wofür wir unser Geld ausgeben WOLLEN. 

Meine Coimbraprotokoll Erfahrungen nach 2,5 Jahren

Kurz und gut: Ich hatte seit 3,5 Jahren keinen einzigen Schub mehr, davon eines unter meinem damaligen Basismedikament und 2,5 Jahre im Protokoll. Ich fühle mich so gesund wie nie, vielleicht nicht mal vor der MS Diagnose. Damals war Sport für mich ein Fremdwort, ich war Raucherin und feierte am liebsten jedes Wochenende durch.

MS Alkohol
pic by goodby

Seit ich im Protokoll bin, gehe ich viel Achtsamer mit mir selbst um. Ich spüre mich viel genauer. Ich habe ein Gespür dafür entwickelt, was mein Körper kann und will – und was er nicht kann und will. Ich habe mich viel mit meinen Traumata auseinandergesetzt, ich habe wirklich hart an meinem Seelenleben gearbeitet.

Kann ich also sagen, dass ich schubfrei bin weil ich im Protokoll bin?

Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht woran es liegt, aber ich kann für mich sagen dass irgendwas von den Dingen, die ich so mache, für mich funktioniert. Ob es die Arbeit auf psychischer Ebene, die Stressreduktion oder der gesündere Lebensstil ist… ob es meine berufliche Freiheit ist? Ich weiß es nicht. Aber ich fühle mich das erste mal seit … ja, weiß gar nicht wie langer Zeit, so richtig in mir zu Hause.

Ich LIEBE meinen Körper und finde es ganz wunderbar was der so alles rockt. Und ich finde ihn auch sehr schön, durch den vielen Sport ist er zudem sehr stark geworden. 

Und die Nierenwerte??

Die Nieren können im CP, wenn man sich nicht an die Regeln hält, extrem gefährdet sein. Deswegen ist es – noch mal – UNGLAUBLICH wichtig dass sich zu 100% an die Regeln gehalten wird! Welche genau das sind kann dein ausgebildeter Protokoll Arzt dir erklären. BITTE KEINE SELBSTVERSUCHE!!! Du kannst dir und deiner Gesundheit damit bleibende große Schäden zufügen.

So. Genug den Finger erhoben. 

Meine Werte sind nach wie vor super, keine Probleme mit den Nieren, keine Probleme mit den Knochen. Ich lasse das regelmäßig checken und habe auch kein schlechtes Gewissen oder zu große Angst, da ich mich eben an die Vorgaben halte. 

Gehören Schubsymptome auch zu meinen Coimbraprotokoll Erfahrungen?

Ja, ganz klar. Ich habe immer noch Symptome, die ab und an aufflackern. Das sind alte Symptome, die ich mir in den Jahren zugezogen habe, also ich noch 1-2 mal im Jahr einen MS Schub hatte. Diese Symptome sind vor allem: Schmerzen hinter den Augen und Taubheit im linken Arm und Bein sowie schmerzhafte Verspannungen im Rücken.

Sobald ich in eine stressige Situation gerate, sobald ich Streit habe oder mich zu viel Sorge, sobald ich mich bedroht fühle wird meine linke Seite taub. Kommt dann noch Stress in der Arbeit hinzu, fangen meine Sehnerven auf beiden Seiten zu schmerzen an.

Lärm bei MS

Weitere, neue Symptome wie der andauernde Schwindel, und dem ich wirklich sehr litt, sind komplett verschwunden. Ich leide selten mal an Fatigue. Ich habe keinen Brain Fog mehr.

Mein Arzt und ich sind uns einig: Es ist ganz gut, dass diese alten Symptome noch da sind!

Sie erinnern mich immer wieder daran, langsam zu machen und einen Gang zurück zu schalten, wenn ich dabei bin mal wieder zu übertreiben. Ich sehe sie mittlerweile als eingebautes Alarmsystem, das mich ein bisschen vor mir selbst beschützt. Und ich höre auf meinen Körper – IMMER! Ich weiß, dass er ganz genau sagt, was er will und was ich tun und lassen soll. Klar ist das manchmal nervig wenn es nunmal gerade stressig ist. Aber mein Körper erinnert mich daran, in diesen Zeiten zumindest sonst ABSOLUT GAR NICHTS anderes mehr einzuplanen.

Ich kann also zusammenfassend sagen, dass meine eigenen, ganz persönlichen Coimbraprotokoll Erfahrungen wirklich sehr gut sind. Ich habe keine Angst mehr vor Schüben, und mein Arzt meinte, die brauch ich auch nicht mehr haben.

Was meinst du, wie mir das Herz aus der Brust gehüpft ist vor Freude, als ich das gehört habe!!!!! AAAAAHHHH!!!!!

Das war wirklich ein unfassbar großes Geschenk. 

Heißt das jetzt, dass das die neue Wundertherapie für jeden und jede ist?

Nein, leider muss ich dich hier enttäuschen. Bitte denke daran, dass du und ich ganz verschiedene Menschen sind. Und ich weiß auch wie gesagt nicht, ob es jetzt nur oder überhaupt am CP liegt, dass es mir so gut geht wie es mir nun mal geht. Manche Menschen haben damit ebenfalls gute Erfahrungen gemacht, andere haben Nierenschäden davongezogen, haben Osteoporose bekommen, ihr Verlauf hat sich unter dem CP noch rapider verschlechtert. Das muss an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden, damit du verstehst, dass das wirklich nur meine ganz eigenen Coimbraprotokoll Erfahrungen sind und ich sie hier lediglich zur Unterhaltung schildere.

Ich freue mich jetzt einfach über die hervorragenden Nachrichten und gehe dem Leben mit einem großen Lächeln und großer Dankbarkeit entgegen. 

***

Wie stehst du solchen alternativen Therapien gegenüber? Hinterlass mir gern ein Kommentar, lass uns drüber reden!

1 comment

  1. Liebe Samira,
    das klingt wirklich wunderbar :-). Ich überlege auch schon lange, ob ich das Coimbra-Protokoll machen soll. Hört sich für mich gut an.
    Ich hab die Diagnose MS 2017 bekommen, allerdings war ein MRT aufgrund von Doppelbildern, die ich gesehen habe im Jahr 2008 bereits auffällig.
    Ich bin nach einem anaphylaktischen Schock unter Copaxone ebenfalls alternativ unterwegs. Ich nehme Weihrauch, Curcumin, Probiotika, Propionsäure, Vitamin D und einen Vitamin-B-Komplex ein. So weit geht es mir bis auf hartnäckige Schlafstörungen ganz gut.

    Ich finde dein Blog wirklich prima und lese seit meiner Diagnose 2017 regelmäßig darin. Dein Blog hat mir gerade in der Anfangszeit nach der Diagnosestellung sehr geholfen.

    Liebe Grüße und alles Gute,
    Anny

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